I. Lehrbücher und Reader

Die Rechtssoziologie hat lange kämpfen müssen, um sich als eigene Wissenschaftsdisziplin durchzusetzen (und heute ist sie schon wieder auf dem Rückzug). Als Zeichen für die »Reife« einer Disziplin kann die Existenz eines Fundus von Lehrdarstellungen gelten, zumal wenn sie von ihrem Inhalt mehr oder weniger übereinstimmen und so eine gewisse Konsolidierung des Stoffes erkennen lassen.

Hier zunächst eine Übersicht über deutsche Lehrbücher und Einführungen chronologisch:

  • Susanne Baer, Rechtssoziologie. Eine Einführung in die interdisziplinäre Rechtsforschung, Verlag 2011
  • Gerhard Struck, Rechtssoziologie. Grundlagen und Strukturen, 2011
  • Thomas Raiser, Grundlagen der Rechtssoziologie (früher: Das lebende Recht; davor: Rechtssoziologie), 5. Aufl. 2009; 1. Aufl. 1987
  • Manfred Rehbinder, Rechtssoziologie, 7. Aufl. 2009; 1. Aufl. als »Einführung in die Rechtssoziologie« 1971
  • Hans Albrecht Hesse, Einführung in die Rechtssoziologie, 2004
  • Karl-Ludwig Kunz/Martino Mona, Rechtsphilosophie, Rechtstheorie, Rechtssoziologie. Eine Einführung in die theoretischen Grundlagen der Rechtswissenschaft, 2006
  • Hubert Rottleuthner, Einführung in die Rechtssoziologie, 2000
  • Erhard Blankenburg, Mobilisierung des Rechts. Eine Einführung in die Rechtssoziologie, 1995
  • Thomas Mathiesen, Das Recht in der Gesellschaft. Eine Einführung in die Rechtssoziologie, 1996
  • Reinhold Zippelius, Grundbegriffe der Rechts- und Staatssoziologie, 2. Aufl. 1991
  • Klaus F. Röhl, Rechtssoziologie, Ein Lehrbuch, 1987
  • Leo Kißler, Rechtssoziologie für die Rechtspraxis, Luchterhand, Neuwied und Darmstadt, 1984
  • Leo Kißler, Recht und Gesellschaft. Eine Einführung in die Rechtssoziologie, Leske und Budrich, Opladen, 1984
  • Niklas Luhmann, Rechtssoziologie, 2. Aufl., 1983, 1. Aufl. in der Reihe rororo-Studium 1972, 2 Bde
  • Hans Ryffel, Rechtssoziologie. Eine systematische Orientierung, 1974
  • Georges Gurvitch, Grundzüge der Soziologie des Rechts, 2. Aufl. 1974 [Eléments de Sociologie Juridique, 1942]

Fremdsprachige Darstellungen in Auswahl chronologisch:

  • Mathieu Deflem, Sociology of Law. Visions of a Scholarly Tradition, Cambridge University Press, 2008
  • A. Javier Trevino, The Sociology of Law. Classical and Temporary Perspectives, 2008
  • Denis James Galligan, Law in Modern Society, Oxford University Press, 2007
  • Steven Vago, Law and Society, London u. a., Pearson Prentice Hall, 9. Aufl. 2009
  • Roger Cotterrell, The Sociology of Law: An Introduction, London u.a., Butterworths, 1984, 2. Aufl. 1992, Nachdruck 2007
  • Austin Sarat (Hg.), The Blackwell Companion to Law and Society, Blackwell Publishing, 2004 (Sammelwerk mit 33 Kapiteln unterschiedlicher Autoren; ein Ersatz für das fehlende große Lehrbuch)
  • Renato Treves, Sociologia del diritto, Einaudi, Turin, 2. Aufl. 1988
  • Richard Lempert/Joseph Sanders, An Invitation to Law and Social Science: Desert, Disputes, and Distribution, University of Pennsylvania Press, Philadelphia, 1986
  • Vilhelm Aubert, In Search of Law, Martin Robertson, Oxford, 1983
  • Robert L. Kidder, Connecting Law and Society, Prentice-Hall, Englewood Cliffs, 1983
  • Lawrence M. Friedman, The Legal System. A Social Science Perspective, 1975, deutsch: Das Recht im Blickfeld der Sozialwissenschaften, 1981
  • Adam Podgórecky, Law and Society, Routledge & Kegan Paul, London und Boston 1974
  • C. J. M. Schuyt, Rechtssociologie. Een terreinverkenning, Universitaire Pers, Rotterdam, 1971
  • Nicholas S. Timasheff, An Introduction to the Sociology of Law, 1939, mehrfach nachgedruckt, zuletzt 2001 mit einer Einführung von A. Javier Treviño bei Transaction Publishers, Edison, NY, 2001

Reader: Wenn es um die »Reife« des Faches geht, sind sog. Reader kaum weniger wichtig als Lehrbücher. In den USA werden sie am Fließband produziert, und zwar unter der Regie von Austin Sarat in einer »International Library of Essays in Law and Society«, die bei Ashgate erscheint und prohibitiv teuer ist. Die Reihe ist auf bald 40 Bände angeschwollen. Außerhalb dieser Reihe und immer noch der wichtigste:

  • Stewart Macaulay/Lawrence M. Friedman/Elisabeth Mertz, Law in Action, Foundation Press, New York 2007.[1]

Die wichtigste Institution für die empirische Rechtsforschung in den USA ist die American Bar Foundation. Gewöhnlich werden die Forschungen ihrer Mitarbeiter, soweit nicht Monographien entstehen, in der Zeitschrift »Law & Social Inquiry« veröffentlicht. Eine Sammlung von 25 Untersuchungen, die in anderen amerikanischen Zeitschriften publiziert wurden, bietet der Reader

  • John P. Heinz (Hg.), Analyzing Law’ Reach. Empirical Research on Law and Society, American Bar Association, Chicago, 2008.

Von den älteren Readern sind nach wie vor folgende wertvoll:

  • Vilhelm Aubert, Sociology of Law. Selected Readings, Penguin Books, Harmondsworth, 1969
  • Donald Black, Toward a General Theory of Social Control, 2 Bde., Academic Press, Orlando 1984
  • William M. Evan, (Hrsg.), The Sociology of Law, Free Press, New York/London 1980

In deutscher Sprache liegen vor:

  • Ernst-Eduard Hirsch/Manfred Rehbinder, Studien und Materialien zur Rechtssoziologie, Sonderheft 11, 1967, der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie
  • Erhard Blankenburg, Empirische Rechtssoziologie, Piper Sozialwissenschaft Bd. 26, München 1975

Für den Reifezustand der Rechtssoziologie spricht schließlich das Erscheinen eines Lexikons, der dreibändigen »Encyclopedia of Law & Society«, hrsg. von David S. Clark, Sage Publications 2007. Das »Dictionnaire encyclopédique de théorie et de sociologie du droit« hrsg. von André-Jean Arnaud u. a., Paris/Brüssel 1988, muss immerhin erwähnt werden. Aber es zählt hier nicht, weil es die Rechtssoziologie nicht als eigene Disziplin behandelt. Wegen ihrer Unselbständigkeit lasse ich auch die einst von mir herausgegebene Abteilung »Rechtssoziologie« im Lexikon des Rechts (Luchterhand-Verlag, jetzt Wolters Kluwer) hier beiseite.

Bibliographie: A Javier Treviño, The Sociology of Law. An Expanded Bibliography of Theoretical Literature, 2007, The Edwin Mellen Press, Lewiston, N. Y. 2007 (thematisch in 17 Kapiteln geordnet).



[1] Vorgänger waren zwei Auflagen von Friedman/Macaulay, »Law and the Behavioral Sciences« von 1969 und 1977 sowie Friedman/Macaulay/John Stookey, Law & Society. Readings on the Social Study of Law, 1995. Zu dieser dieser Vorauflage die lesenswerte Rezensionsabhandlung von Jonathan Simon, Law after Society, Law & Social Inquiry, 24, 1999, 143-194.

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