§ 7 Max Weber

Schrif­ten Max Webers: Gesam­mel­te Auf­sät­ze zur Reli­gi­ons­so­zio­lo­gie, Bd. I-III, 1920; Gesam­mel­te poli­ti­sche Schrif­ten, 1921, 3. Aufl. 1971 (GPS); Gesam­mel­te Auf­sät­ze zur Wis­sen­schafts­leh­re, 1922, 7. Aufl. 1988 (GAWL); Gesam­mel­te Auf­sät­ze zur Sozio­lo­gie und Sozi­al­po­li­tik, 1924; Wirt­schaft und Gesell­schaft, 1. Aufl. 1922, 5. Aufl. 1972 (WuG); Rechts­so­zio­lo­gie, hg. von Winckel­mann, 2. Aufl. 1967 (RS). Bei J. C. B Mohr erscheint nach und nach eine kri­ti­sche Gesamt­aus­ga­be in ins­ge­samt wohl 41 Bän­den mit einer ver­wir­ren­den Zäh­lung. 2011 ist als Teil­band I, 22, 3 das als »Rechts­so­zio­lo­gie« geläu­fi­ge Kapi­tel aus Wirt­schaft und Gesell­schaft erschie­nen, her­aus­ge­ge­ben und bear­bei­tet von Wer­ner Gephart und Sieg­fried Her­mes. Aus­führ­lich zu die­sem Band François Cha­zel, Max Webers »Rechts­so­zio­lo­gie« im Lich­te der Max Weber Gesamt­aus­ga­be, ZfR­Soz 33, 201213, 151–173; Hubert Trei­ber, Zu Max Webers »Rechts­so­zio­lo­gie«. Rezen­si­ons­es­say zur Max Weber-Gesamt­aus­ga­be (MWG I/22–3), Socio­lo­gia Inter­na­tio­na­lis 49, 2011, 139–155. Die Sache wird noch unüber­sicht­li­cher durch eine 16bändige Stu­di­en­aus­ga­be (MWS) der MWG mit neu­er Sei­ten­zäh­lung. Sie ver­zich­tet auf den edi­to­ri­schen Appa­rat, ent­hält dafür aber Nach­wor­te der Her­aus­ge­ber. Für die Rechts­so­zio­lo­gie kann man getrost auf älte­re Aus­ga­ben zurück­grei­fen. Ich zitie­re die »Rechts­so­zio­lo­gie« nach der Winckel­mann-Aus­ga­be von 1967 = RS sowie »Wirt­schaft und Gesell­schaft« (WuG) nach dem Erst­druck von 1922.

Alle für die Rechts­so­zio­lo­gie rele­van­ten Weber-Tex­te ste­hen im Inter­net bei Zeno​.org zur Ver­fü­gung. Hand­li­cher ist die Pots­da­mer Inter­net-Aus­ga­be (PIA), weil man PDFs her­un­ter­la­den kann. Dort fehlt aller­dings »Wirt­schaft und Gesell­schaft« und damit auch die »Rechts­so­zio­lo­gie«. Die­sen Text fin­det man im Inter­net Archi­ve. Wei­ter Links zu Weber-Tex­ten im Inter­net im Arti­kel Max Weber bei Wik­isour­ce.

Bio­gra­phi­en: Dirk Kaes­ler, Max Weber. Preu­ße, Den­ker, Mut­ter­sohn, 2014; Jür­gen Kau­be, Max Weber. Ein Leben zwi­schen den Epo­chen, 2014; Joa­chim Rad­kau, Max Weber. Die Lei­den­schaft des Den­kens, 2005.

Lite­ra­tur: Sil­ke Aecht­ner, Die Ratio­na­li­tät in der Rechts- und Herr­schafts­so­zio­lo­gie Max Webers, 1995; Sta­nis­lav And­re­ski, Max Weber’s Insights and Errors, 1984; Ste­fan Breuer/Hubert Trei­ber (Hg.), Zur Rechts­so­zio­lo­gie Max Webers, 1984; Micha­el Baur­mann, Grund­zü­ge der Rechts­so­zio­lo­gie Max Webers, JuS 1991, 97–103; Antho­ny T. Kron­man, Max Weber, 1983; Fritz Loos, Zur Wert- und Rechts­leh­re Max Webers, 1970; Mar­kus Lud­wig, Sein und Sol­len. Eine Unter­su­chung zur Abgren­zung der Rechts­nor­men von den sozia­len Nor­men bei Max Weber und Eugen Ehr­lich, 1999; Bern­hard K. Quen­sel, Logik und Metho­de in der Rechts­so­zio­lo­gie Max Webers, ZfR­Soz 1997, 133–159; Bern­hard K. Quensel/Hubert Trei­ber, Das »Ide­al« kon­struk­ti­ver Juris­pru­denz als Metho­de. Zur »logi­schen Struk­tur« von Max Webers Ide­al­ty­pik, Rechts­theo­rie 33, 2002, 91–124; Man­fred Reh­bin­der/K­laus-Peter Tieck, (Hg.), Max Weber als Rechts­so­zio­lo­gie, 1987; Wolf­gang Schluch­ter, Ratio­na­lis­mus der Welt­be­herr­schung. Stu­di­en zu Max Weber, 1980; ders., Die Ent­ste­hung des moder­nen Ratio­na­lis­mus. Eine Ana­ly­se von Max Webers Ent­wick­lungs­ge­schich­te des Okzi­dents, 1998; Hubert Trei­ber, Insights into Weber’s Socio­lo­gy of Law, in: Knut Papen­dorf u. a. (Hg.), Under­stan­ding Law in Socie­ty, 2011, 21–79; ders., Max Webers Rechts­so­zio­lo­gie, 2017; David M. Tru­bek, Max Weber’s Tra­gic Moder­nism and the Stu­dy of Law in Socie­ty, LSR 20, 1986, 573–598; Ste­fan Uecker, Die Ratio­na­li­sie­rung des Rechts. Max Webers Rechts­so­zio­lo­gie, 2005; Johan­nes Weiß, Max Webers Grund­le­gung der Sozio­lo­gie, 2. Aufl. 1992.

I.                                 Leben und Werk

Max Weber (1864−1920) hat das theo­re­ti­sche Fun­da­ment der Rechts­so­zio­lo­gie gelegt. Aber damit nicht genug. Auch für die all­ge­mei­ne Sozio­lo­gie ist Weber nach wie vor der wohl wich­tigs­te Theo­re­ti­ker. Nur Durk­heim macht ihm ernst­haft Kon­kur­renz. Bis heu­te gehört zum Grund­ge­rüst der Sozio­lo­gie eine Kom­bi­na­ti­on von Gedan­ken Émi­le Durk­heims und Max Webers. Bour­dieu und Luh­mann begin­nen dane­ben schon wie­der zu ver­blas­sen.

Max Weber ist in meh­re­ren Dis­zi­pli­nen gleich­zei­tig berühmt gewor­den. Als Wirt­schafts­his­to­ri­ker stell­te er die Hypo­the­se auf, dass eine Wur­zel des Kapi­ta­lis­mus in der pro­tes­tan­ti­schen Ethik zu suchen sei. Die ursprüng­lich »außer­welt­lich«, also reli­gi­ös, moti­vier­te Sor­ge der Puri­ta­ner um ihr See­len­heil ver­wan­del­te sich »inner­welt­lich« in eine metho­disch-ratio­na­le Lebens­füh­rung, die alle Kraft in den Dienst des Beru­fes stellt und dadurch inno­va­to­ri­sche Leis­tun­gen frei­setzt, die zuvor ohne Bei­spiel waren (§ 73). Die Dis­kus­si­on hier­über ist auch heu­te noch im Gan­ge. Für die Wis­sen­schafts­theo­rie for­mu­lier­te er den Grund­satz der Wert­ur­teils­frei­heit der Wis­sen­schaft, wonach die Wis­sen­schaft mit dem Anspruch auf Objek­ti­vi­tät die Din­ge nur beschrei­ben und erklä­ren kann, sich aber jedes prak­ti­schen Wert­ur­teils, also jeder Bestim­mung des­sen, wie man han­deln soll, ent­hal­ten muss (§ 18). Für die all­ge­mei­ne Sozio­lo­gie hat er immer noch aktu­el­le Kon­zep­te der sozia­len Hand­lung und der Herr­schaft ent­wor­fen (§ 31). Mit sei­ner Ana­ly­se der Büro­kra­tie hat er die Orga­ni­sa­ti­ons­so­zio­lo­gie auf den Weg gebracht.

Webers über­grei­fen­des The­ma war die Ent­zau­be­rung der Welt, die Erklä­rung des Ratio­na­li­sie­rungs­pro­zes­ses, wie er sich in der Neu­zeit durch das Zusam­men­wir­ken von Wis­sen­schaft, Kapi­ta­lis­mus und Büro­kra­tie in den west­li­chen Indus­trie­ge­sell­schaf­ten, und nur dort, abge­spielt hat:

»Die zuneh­men­de Intel­lek­tua­li­sie­rung und Ratio­na­li­sie­rung bedeu­tet … das Wis­sen davon oder den Glau­ben dar­an: dass man, wenn man nur woll­te, es jeder­zeit erfah­ren könn­te, dass es also prin­zi­pi­ell kei­ne geheim­nis­vol­len, unbe­re­chen­ba­ren Mäch­te gebe, die da hin­ein­spie­len, dass man viel­mehr alle Din­ge – im Prin­zip – durch Berech­nen beherr­schen kön­ne. Das aber bedeu­tet: die Ent­zau­be­rung der Welt. Nicht mehr wie der Wil­de, für den es sol­che Mäch­te gab, muß man zu magi­schen Mit­teln grei­fen, um die Geis­ter zu beherr­schen oder zu erbit­ten. Son­dern tech­ni­sche Mit­tel leis­ten das.« (GAWL S. 594)

Die Ent­zau­be­rung der Welt ist die Basis eines umfas­sen­den Moder­ni­sie­rungs­pro­zes­ses, der nicht auf den Ort sei­nes Durch­bruchs im west­li­chen Euro­pa beschränkt bleibt, und zwangs­läu­fig zur Säku­la­ri­sie­rung führt. Reli­gi­on wird Pri­vat­sa­che. Sie über­lebt im »hin­ter­welt­li­chen Reich mys­ti­schen Lebens oder in der Brü­der­lich­keit unmit­tel­ba­rer Bezie­hun­gen der ein­zel­nen zuein­an­der.« Im 20. Jahr­hun­dert gehör­te die Säku­la­ri­sie­rungs­the­se zum kon­sen­tier­ten sozio­lo­gi­schen Basis­wis­sen. Heu­te wird sie jedoch pro­ble­ma­ti­siert. Zwar war und ist Ratio­na­li­sie­rung die Grund­la­ge der west­li­chen Indus­trie­ge­sell­schaf­ten. Aber sol­che Ratio­na­li­tät hat in Reli­gio­nen und Sek­ten, in Fun­da­men­ta­lis­mus und Natio­na­lis­mus, uner­war­te­te Gegen­spie­ler bekom­men, so dass man­che von einer Wie­der­kehr der Göt­ter reden (näher unten § 98 im Zusam­men­hang von Moder­ni­sie­rung und Glo­ba­li­sie­rung).

Auch Webers Ratio­na­li­täts­be­griff wird pro­ble­ma­ti­siert, zumal der Begriff von ihm nicht immer ganz ein­heit­lich gebraucht wird. And­re­ski hält ihn sogar für völ­lig ver­fehlt, denn man kön­ne auch vor­mo­der­nen Kul­tu­ren eine inne­re Ratio­na­li­tät nicht abspre­chen. Indes­sen scheint And­re­ski hier Ratio­na­li­tät mit Funk­tio­na­li­tät gleich­zu­set­zen. Die »Ent­zau­be­rung« der Welt in der Moder­ne hat eine neue (nicht unbe­dingt bes­se­re) Qua­li­tät der Welt­sicht begrün­det, die es recht­fer­tigt, an Webers Begriffs­bil­dung fest­zu­hal­ten. Der Begriff »ratio­nal« deckt meh­re­re Bedeu­tun­gen, die sich ergän­zen. Ratio­nal bedeu­tet zunächst, dass eine Hand­lung vom Intel­lekt, sei es im Hin­blick auf bestimm­te abs­trak­te Wer­te, sei es im Hin­blick auf kon­kre­te Zwe­cke, gesteu­ert wird. Für die Wirt­schaft bedeu­tet Ratio­na­li­tät Rechen­haf­tig­keit, wie sie mit der dop­pel­ten Buch­füh­rung mög­lich wur­de. Im Hin­blick auf das Recht ver­steht Weber unter Ratio­na­li­tät, dass eine Hand­lung oder Ent­schei­dung einer all­ge­mei­nen Regel folgt, fer­ner den sys­te­ma­ti­schen Cha­rak­ter des Regel­werks, wie er in der Vor­stel­lung von einer Hier­ar­chie der Rechts­quel­len und dem Anspruch der Rechts­ord­nung auf Lücken­lo­sig­keit zum Aus­druck kommt.

Über Webers Tex­ten liegt inzwi­schen eine dicke Schicht von Sekun­där­li­te­ra­tur, die sich sowohl mit der Werk- und Edi­ti­ons­ge­schich­te als auch mit der Inter­pre­ta­ti­on des Inhalts befasst. Wer nicht Weber-Spe­zia­list wer­den will, igno­riert am bes­ten Werk­ge­schich­te und Gesamt­aus­ga­be, greift auf die leicht ver­füg­ba­ren älte­ren Text­aus­ga­ben zurück und lässt sich von dem bis heu­te ein­drucks­vol­len Stil Webers ein­neh­men.

II.                              Webers Rechtssoziologie

1.      Themen und Texte

Die »Rechts­so­zio­lo­gie« Webers hat ihren Titel erst pos­tum von Mari­an­ne Weber erhal­ten. Max Weber hat­te schon seit 1908 ein groß ange­leg­tes »Hand­buch der poli­ti­schen Öko­no­mie« (spä­ter »Grund­riß der Sozi­al­öko­no­mik«) geplant, das bei Mohr/Siebeck in Tübin­gen erschei­nen und an dem fast 50 Auto­ren betei­ligt sein soll­ten. Als Autor hat­te Weber selbst die III. Abtei­lung »Wirt­schaft und Gesell­schaft« (WuG) über­nom­men. Als er 1920 über­ra­schend an einer Lun­gen­ent­zün­dung starb, hat­te er vier Kapi­tel des ers­ten Teils von WuG zum Druck gege­ben. Für die wei­te­ren Tei­le gab es Manu­skrip­te, die schon vor dem Welt­krieg ent­stan­den waren. Sie wur­den Webers Ehe­frau Mari­an­ne Weber zu der 1922 erst­mals erschie­ne­nen Druck­fas­sung von WuG zusam­men­ge­fügt. Unter den älte­ren Manu­skrip­ten war das VII. Kapi­tel des Zwei­ten Teils, das Weber mehr­fach über­ar­bei­tet hat­te und das nun­mehr die Über­schrift »Rechts­so­zio­lo­gie« erhielt, ein Begriff, den Weber bereits in Ver­wei­sun­gen auf die­sen Teil ver­wen­det hat­te. In der MWG hat das Kapi­tel die­sen Titel ver­lo­ren und fir­miert nun unter der noch weni­ger authen­ti­schen Über­schrift »Die Ent­wick­lungs­be­din­gun­gen des Rechts«.[1] 1960 erschien in der Rei­he »Sozio­lo­gi­sche Tex­te des Luch­ter­hand Ver­la­ges ein selb­stän­di­ger Band mit dem Titel »Rechts­so­zio­lo­gie«. Her­aus­ge­ber war Johan­nes Winckel­mann, der inzwi­schen auch die die Her­aus­ga­be neue­rer Auf­la­gen von WuG über­nom­men hat­te. In die »Rechts­so­zio­lo­gie« nahm Winckel­mann auch das der »Rechts­so­zio­lo­gie« vor­aus­ge­hen­de Kapi­tel VI (Die Wirt­schaft und die Ord­nun­gen) auf. Die­se bei­den Kapi­tel aus WuG bil­de­ten seit­her Max Webers Rechts­so­zio­lo­gie im enge­ren Sin­ne.

Die MWG hat die­se Ein­heit zeris­sen, und »kri­tisch« vor­ge­führt, dass es sich bei den über­kom­me­nen Edi­tio­nen von WuG um »unter­schied­li­che Zusam­men­stel­lun­gen von hete­ro­ge­nen Text­be­stän­den«[2] han­delt. Damit ist sie – die MWG – zur Hür­de für alle gewor­den, die sich auf die Schul­ter des Rie­sen stel­len wol­len. Was im Erst­druck von WuG Teil 2 Kapi­tel VI (»Die Wirt­schaft und die Ord­nun­gen«) war, wird sepa­riert. WuG Teil 2 Kapi­tel VII, das im Erst­druck als »Rechts­so­zio­lo­gie (Wirt­schaft und Recht)« fir­mier­te, erhält den Titel »Ent­wick­lungs­be­din­gun­gen des Rechts« und wird nun­mehr zur »so genann­ten« Rechts­so­zio­lo­gie.

Im wei­te­ren Sin­ne gehört zu Webers Rechts­so­zio­lo­gie zunächst natür­lich sei­ne Ana­ly­se von Recht und Wirt­schaft (u. § 73), für die außer WuG die bei­den Auf­sät­ze »Die pro­tes­tan­ti­sche Ethik und der Geist des Kapi­ta­lis­mus« von 19045) wich­tig sind (ver­füg­bar in den »Gesam­mel­ten Auf­sät­zen zur Reli­gi­ons­so­zio­lo­gie« und in MWG I/18). Wich­ti­ger noch ist Webers Sozio­lo­gie der Herr­schaft. Sie war zunächst grund­riss­ar­tig in Kapi­tel III des Ers­ten Teils von WuG (Die Typen der Herr­schaft) und aus­führ­lich im Drit­ten Teil von WuG (Typen der Herr­schaft) zu fin­den. In der MWG nimmt sie den Band I 224 (2005) ein. Hier wird sie in § 31 II ange­spro­chen. Zwei The­men aus der Herr­schafts­so­zio­lo­gie haben sich ver­selb­stän­digt.

  • Die Leh­re von »drei rei­nen Typen legi­ti­mer Herr­schaft« zum Pro­blem­kreis Legi­ti­ma­ti­on des Rechts (u. §§ 32 f.);
  • Max Webers Ana­ly­se der büro­kra­ti­schen Herr­schaft zur Orga­ni­sa­ti­ons­so­zio­lo­gie (u. §§ 76 ff).

Webers Rechts­so­zio­lo­gie ist ein­ge­bet­tet in sei­ne all­ge­mei­ne Sozio­lo­gie und die­se wie­der­um in sei­ne Wis­sen­schafts­theo­rie. Aus der all­ge­mei­nen Sozio­lo­gie ist nach wie vor der metho­di­sche Ansatz des Sinn­ver­ste­hens unver­zicht­bar. Der Ansatz ist in dem so genann­ten Kate­go­ri­en­auf­satz aus­for­mu­liert. Dar­auf baut dann die Leh­re von der sozia­len Hand­lung auf (u. § 30). Den Kern von Webers Wis­sen­schafts­theo­rie bil­det das Wert­ur­teils­pro­blem (u. § 18). So gibt es jetzt im Blick auf Max Weber drei Rechts­so­zio­lo­gie-Begrif­fe:

  • der engs­te bezieht sich auf die von der MWG »so genann­te« Rechts­so­zio­lo­gie, die dort den neu­en Titel »Ent­wick­lungs­be­din­gun­gen des Rechts« trägt,
  • Webers Rechts­so­zio­lo­gie im enge­ren Sin­ne, wie sie von Winckel­mann mit den Kapi­teln VI und VII von WuG Teil 2 und
  • Webers Recht­so­zio­lo­gie im wei­te­ren Sin­ne, die alles ein­schließt, was aus Webers Gedan­ken­welt für eine sozio­lo­gi­sche Behand­lung des Rechts rele­vant ist.

2.      Normativ-juristische und empirisch-soziologische Betrachtungsweise

Zum Aus­gangs­punkt der Rechts­so­zio­lo­gie im Werk Max Webers wird die Stamm­ler-Kri­tik von 1907.[3] Dar­in for­mu­lier­te er die für ihn fort­an maß­geb­li­che Unter­schei­dung zwi­schen Juris­pru­denz und Sozio­lo­gie (Loos S. 93ff). Vor­be­rei­tet durch den sog. Neu­kan­tia­nis­mus optier­te Weber für die logi­sche Unter­schei­dung von Sein und Sol­len mit der Kon­se­quenz einer kla­ren Tren­nung zwi­schen juris­tisch-nor­ma­ti­ver und sozio­lo­gisch-empi­ri­scher Betrach­tungs­wei­se. Dar­aus resul­tiert Webers sozio­lo­gi­scher Gel­tungs­be­griff, mit dem er das Recht als ein empi­ri­sches Phä­no­men im Gegen­satz zu der von der Phi­lo­so­phie und Dog­ma­tik für Moral und Recht in Anspruch genom­me­nen nor­ma­ti­ven Gel­tung aus­zeich­net:

»Wenn von ›Recht‹, ›Rechts­ord­nung‹, ›Rechts­satz‹ die Rede ist, so muß beson­ders streng auf die Unter­schei­dung juris­ti­scher und sozio­lo­gi­scher Betrach­tungs­wei­se geach­tet wer­den. Die ers­te­re fragt: was als Recht ide­ell gilt. Das will sagen: wel­che Bedeu­tung, und dies wie­der­um heißt: wel­cher nor­ma­ti­ve Sinn einem als Rechts­norm auf­tre­ten­den sprach­li­chen Gebil­de logisch rich­ti­ger Wei­se zukom­men soll­te. Die letz­te­re dage­gen fragt: was inner­halb einer Gemein­schaft fak­tisch um des­wil­len geschieht, weil die Chan­ce besteht, daß am Gemein­schafts­han­deln betei­lig­te Men­schen, dar­un­ter ins­be­son­de­re sol­che, in deren Hän­den ein sozi­al rele­van­tes Maß von fak­ti­schem Ein­fluß auf die­ses Gemein­schafts­han­deln liegt, bestimm­te Ord­nun­gen als gel­tend sub­jek­tiv anse­hen und prak­tisch behan­deln, also ihr eige­nes Han­deln an ihnen ori­en­tie­ren. – Dar­nach bestimmt sich auch die prin­zi­pi­el­le Bezie­hung zwi­schen Recht und Wirt­schaft. « (WuG 1922 S. 368 = RS S. 69)

Die Unter­schei­dung von Sein und Sol­len, die hier auf die Tren­nung von Phi­lo­so­phie, Ethik und Juris­pru­denz einer­seits und empri­scher Sozio­lo­gie ande­rer­seits hin­aus­läuft, klingt sim­pel und ist im Grund auch ziem­lich ein­fach zu ver­ste­hen. Dass Pro­blem ist nur, dass sie so oft miss­ver­stan­den wird, weil mehr hin­ein­ge­legt wird, als in – die­sem Fall von Weber – gemeint ist. Eine Quel­le des Miss­ver­ständ­nis­ses fließt dar­aus, dass für die sozio­lo­gi­sche Betrach­tung des Rechts wort­glei­che Begrif­fe ver­wen­det wer­den wie in der Juris­pru­denz.

»Das Wort ist das­sel­be, – was gemeint ist, etwas im logi­schen Sinn toto coelo Ver­schie­de­nes.« (Max Weber, Roscher und Knies und die logi­schen Pro­ble­me der his­to­ri­schen Natio­nal­öko­no­mie II).

Weber defi­niert:

» ›Recht‹ ist für uns eine ›Ord­nung‹ mit gewis­sen spe­zi­fi­schen Garan­ti­en für die Chan­ce ihrer empi­ri­schen Gel­tung.« (WuG 1922, S 368f. = RS S. 71)

Den Aspekt der Rechts­gel­tung als Wir­kungs­chan­ce wird spä­ter Theo­dor Gei­ger aus­bau­en (u. § 8 II.).

3.      Recht und andere Ordnungen

Das Kapi­tel VI von WuG Teil 2 (Die Wirt­schaft und die Ord­nun­gen) gehört zur Rechts­so­zio­lo­gie im enge­ren Sin­ne, weil es der Abgren­zung des Rechts von ande­ren sozia­len Ord­nun­gen wie Brauch und Sit­te, Moral und Kon­ven­ti­on.

»Wir wol­len viel­mehr über­all da von Rechts­ord­nung spre­chen«, so sagt Weber, »wo die Anwen­dung irgend­wel­cher phy­si­scher oder psy­chi­scher Zwangs­mit­tel in Aus­sicht steht, die von einem Zwangsappa­rat, d. h. von einer oder meh­re­ren Per­so­nen, aus­ge­übt wird, wel­che sich für die­sen Behuf für den Fall des Ein­tritts des betref­fen­den Tat­be­stan­des bereit­hal­ten, wo also eine spe­zi­fi­sche Art der Ver­ge­sell­schaf­tung zum Zwe­cke des Rechts­zwan­ges exis­tiert.« (WuG S. 372 = RS S. 76f.)

Weber hat damit den Begriff des Rechts­stabs in die Sozio­lo­gie ein­ge­führt. Man bezeich­net damit alle die­je­ni­gen, die das Recht hand­ha­ben wie Rich­ter und Staats­an­wäl­te, Poli­zis­ten und Gerichts­voll­zie­her. In die­ser Abgren­zung steckt aber auch die so genann­te Zwangs­theo­rie, die Zwang als Defi­ni­ti­ons­merk­mal des Rechts ansieht. Im Detail lässt die Zwangs­theo­rie sich dif­fe­ren­zie­ren, je nach­dem, ob für Recht über­haupt oder für staat­li­ches Recht her­an­ge­zo­gen wird, und ob jede Sank­ti­on als Zwang gel­ten soll oder nur die (Dro­hung mit Gewalt) im enge­ren Sin­ne. Aber jeden­falls

4.      Die Stadien der Rechtsentwicklung

Das Kapi­tel VII von WuG Teil 2 (Rechts­so­zio­lo­gie) ent­hält Webers berühm­te und bis heu­te dis­ku­tier­te Ratio­na­li­sie­rungs­the­se. Danach voll­zog sich die Ent­wick­lung des Rechts im Gro­ßen und Gan­zen, von etwai­gen Stö­run­gen und Über­bleib­seln abge­se­hen, vom irra­tio­na­len Typ der vor­mo­der­nen Gesell­schaf­ten mit cha­ris­ma­ti­schen Füh­rern und Kadi-Jus­tiz über den tra­di­tio­na­len Typ der Gesell­schaf­ten der Feu­dal­zeit zum ratio­na­len Typ der moder­nen Gesell­schaft mit dem tech­nisch ver­sier­ten Ver­wal­tungs­mann und dem logisch den­ken­den Juris­ten. Vor allem drei Fak­to­ren macht Weber für die­se Ent­wick­lung des moder­nen Rechts ver­ant­wort­lich: Lan­des­her­ren, die gegen stän­di­sche Selb­stän­dig­keits­be­stre­bun­gen die ein­heit­li­che Kon­trol­le ihres Ter­ri­to­ri­ums durch­set­zen woll­ten, kapi­ta­lis­ti­sche Inter­es­sen­ten, die ihre Gewinn­chan­cen zu berech­nen wünsch­ten, und einen fach­lich aus­ge­bil­de­ten, unab­hän­gi­gen Berufs­stand der Juris­ten. Er unter­schei­det vier Sta­di­en der Rechts­ent­wick­lung:

»Die all­ge­mei­ne Ent­wick­lung des Rechts und des Rechts­gangs führt, in theo­re­ti­sche ›Ent­wick­lungs­stu­fen‹ geglie­dert, von der cha­ris­ma­ti­schen Rechts­of­fen­ba­rung durch ›Rechtspro­phe­ten‹ zur empi­ri­schen Rechts­schöp­fung und Rechts­fin­dung durch ›Rechtshono­ra­tio­ren‹ (Kautelar- oder Prä­ju­di­zi­en­rechts­schöp­fung)- wei­ter zur Rechts­ok­troy­ie­rung durch welt­li­ches impe­ri­um und theo­kra­ti­sche Gewal­ten und end­lich zur sys­te­ma­ti­schen Rechts­sat­zung und zur fach­mä­ßi­gen auf Grund lite­ra­ri­scher und for­mal logi­scher Schu­lung sich voll­zie­hen­den ›Rechts­pfle­ge‹ durch ›Rechtsgebil­de­te‹ (Fach­ju­ris­ten). Die for­ma­len Qua­li­tä­ten des Rechts ent­wi­ckeln sich dabei aus einer Kom­bi­na­ti­on von magisch beding­tem For­ma­lis­mus und offen­ba­rungs­mä­ßig beding­ter Irra­tio­na­li­tät im pri­mi­ti­ven Rechts­gang, even­tu­ell über den Umweg theo­kra­tisch oder patri­mo­ni­al beding­ter mate­ria­ler und infor­ma­ler Zweck­ra­tio­na­li­tät zu zuneh­men­der fach­mä­ßig juris­ti­scher, also logi­scher Ratio­na­li­tät und Sys­te­ma­tik und damit – zunächst rein äußer­lich betrach­tet – zu einer zuneh­mend logi­schen Sub­li­mie­rung und deduk­ti­ven Stren­ge des Rechts und zu einer zuneh­mend ratio­na­len Tech­nik des Rechts­gangs.« (WuG 1922 S. 503 = RS S. 330)

Weber will nicht behaup­ten, die­se an Hand his­to­ri­schen Mate­ri­als rekon­stru­ier­ten Ratio­na­li­täts­stu­fen sei­en in der geschicht­lich-gesell­schaft­li­chen Ent­wick­lung »über­all gera­de in der Rei­hen­fol­ge des Ratio­na­li­täts­gra­des auf­ein­an­der gefolgt« oder auch nur »über­all, selbst im Okzi­dent, alle vor­han­den gewe­sen« oder noch vor­han­den. Es soll sich viel­mehr nur um eine ide­al­ty­pi­sche Kenn­zeich­nung (u. IV.) han­deln. So betont er, dass das anglo­ame­ri­ka­ni­sche Recht, indem es haupt­säch­lich auf Prä­ju­di­zi­en auf­baut, noch teil­wei­se den Cha­rak­ter empi­ri­scher Rechts­schöp­fung hat.

Dass Eng­land das Geburts­land des Kapi­ta­lis­mus ist, scheint Webers Hypo­the­se zu wider­le­gen, dass der moder­ne Kapi­ta­lis­mus mit der Ratio­na­li­sie­rung des Rechts ein­her­ge­gan­gen sei (sog. Eng­land-Pro­blem; u. § 73). Die for­ma­le Ratio­na­li­tät als sol­che ist jedoch in ers­ter Linie eine inter­ne Qua­li­tät des juris­ti­schen Den­kens. Die Ent­ste­hung des Kapi­ta­lis­mus setz­te dage­gen als Kal­ku­la­ti­ons­grund­la­ge nur Rechts­si­cher­heit vor­aus. Die kann aber, wie Weber selbst her­vor­hebt, durch ein Prä­ju­di­zi­en­recht glei­cher­ma­ßen, wenn nicht sogar bes­ser gewähr­leis­tet sein. Statt von einem Eng­land-Pro­blem müss­te man heu­te eher von einem Japan-Pro­blem reden, das sich aus der japa­ni­schen Vor­lie­be für Infor­ma­li­tät und Kon­sens her­lei­tet[4].

Ratio­na­li­tät des Rechts kann ent­we­der in for­ma­ler oder in mate­ria­ler Hin­sicht gege­ben sein. Aus dem Begriffs­paar »for­mal« und »mate­ri­al« sowie Ratio­na­li­tät bzw. Irra­tio­na­li­tät erge­ben sich vier Kom­bi­na­tio­nen:

(1) Als for­mal und irra­tio­nal zugleich bezeich­net Weber Kon­flikt­re­ge­lungs­ver­fah­ren, die sich des Ora­kels oder eines Got­tes­ur­teils bedie­nen. Sie sind irra­tio­nal inso­fern, als sie kei­ne intel­lek­tu­el­le Kon­trol­le der Ent­schei­dung ermög­li­chen. Ihr for­ma­ler Cha­rak­ter ergibt sich dar­aus, dass die Betei­lig­ten bis hin zu dem Gebrauch bestimm­ter Wor­te ein genau fest­ge­leg­tes Ver­fah­ren zu beach­ten haben, wobei jede Abwei­chung zum Pro­zess­ver­lust füh­ren kann.

(2) Pro­to­typ für die als mate­ri­al-irra­tio­nal gekenn­zeich­ne­te Metho­de der Rechts­fin­dung ist die nach dem isla­mi­schen Scha­ria-Gericht so genann­te Kadi-Jus­tiz.[5] Es han­delt sich um eine Bil­lig­keits­recht­spre­chung, die jeden Fall für sich betrach­tet und auf einer unge­klär­ten Mischung recht­li­cher, ethi­scher, poli­ti­scher und gefühls­mä­ßi­ger Über­le­gun­gen beruht. Als Bei­spie­le führt Weber die Volks­jus­tiz der atti­schen Demo­kra­tie im anti­ken Grie­chen­land und die Recht­spre­chung des eng­li­schen Frie­dens­rich­ters an, aber auch das (ech­te) deut­sche Schwur­ge­richt aus der Zeit vor 1924. Die­se Kadi­jus­tiz ist mate­ri­al inso­fern, als sie sich inhalt­li­che Erwä­gun­gen aller Art, also nicht nur recht­li­che, son­dern auch ethi­sche und poli­ti­sche, zu eigen macht. Sie bleibt dabei irra­tio­nal inso­fern, als das nicht sys­te­ma­tisch geschieht, ins­be­son­de­re weil sie dar­auf ver­zich­tet, ihre Ent­schei­dun­gen aus all­ge­mei­nen Regeln abzu­lei­ten.

(3) Der mate­ri­al-ratio­nal genann­te Stil des Rechts­den­kens ist ver­tre­ten in den ver­schie­de­nen For­men des theo­kra­ti­schen Rechts und einer patri­ar­cha­lisch-auto­ri­tä­ren Jus­tiz. Bei­spie­le bie­ten das reli­giö­se Recht der Tho­ra und des Korans, wie es in den Pries­ter­schu­len gelehrt wur­de und wird, oder das Regi­ment der Fürs­ten im auf­kom­men­den Abso­lu­tis­mus. Das mate­ria­le Ele­ment besteht in dem Bezug auf ethi­sche und reli­giö­se Grund­sät­ze oder, bei der patri­ar­cha­li­schen Rechts­pfle­ge, auf das Ziel der »Wohl­fahrt«. Die Ratio­na­li­tät liegt dar­in, »dass Nor­men ande­rer qua­li­ta­ti­ver Digni­tät als logi­sche Gene­ra­li­sie­run­gen von abs­trak­ten Sinn­deu­tun­gen auf die Ent­schei­dung von Rechts­pro­ble­men Ein­fluß haben sol­len: ethi­sche Impe­ra­ti­ve oder uti­li­ta­ris­ti­sche oder ande­re Zweck­mä­ßig­keits­re­geln oder poli­ti­sche Maxi­men, wel­che sowohl den For­ma­lis­mus des äuße­ren Merk­mals wie den­je­ni­gen der logi­schen Abs­trak­ti­on durch­bre­chen« (RS S. 125). Ihnen fehlt aber die for­ma­le juris­ti­sche Qua­li­tät, weil sie kei­ne Gren­zen zwi­schen Ethik, Poli­tik und Recht akzep­tie­ren. Mate­ri­al in die­sem Sin­ne wäre etwa natur­recht­li­ches Den­ken.

(4) For­ma­le Ratio­na­li­tät steht am Ende der Ent­wick­lung ins­be­son­de­re des Zivil­rechts vom römi­schen zum Pan­dek­ten­recht. For­ma­le Ratio­na­li­tät ist die nach Weber letz­te und höchs­te Ent­wick­lungs­stu­fe des Rechts. Den Höchst­grad for­ma­ler Ratio­na­li­tät hat­te nach Mei­nung Webers die gemein­recht­li­che Juris­pru­denz erreicht, indem sie von fol­gen­den Pos­tu­la­ten aus­ging:

»(1) daß jede kon­kre­te Rechts­ent­schei­dung ›Anwen­dung‹ eines abs­trak­ten Rechts­sat­zes auf einen kon­kre­ten ›Tat­be­stand‹ sei,

(2) daß für jeden kon­kre­ten Tat­be­stand mit den Mit­teln der Rechts­lo­gik eine Ent­schei­dung aus den gel­ten­den abs­trak­ten Rechts­sät­zen zu gewin­nen sein müs­se,

(3) daß also das gel­ten­de objek­ti­ve Recht ein ›lücken­lo­ses‹ Sys­tem von Rechts­sät­zen dar­stel­len oder latent in sich ent­hal­ten oder doch als ein sol­ches für die Zwe­cke des Rechts­an­wen­dung behan­delt wer­den müs­se,

(4) daß das Gemein­schafts­han­deln der Men­schen durch­weg als ›Anwen­dung‹ oder ›Aus­füh­rung‹ von Rechts­sät­zen oder umge­kehrt als ›Ver­stoß‹ gegen Rechts­sät­ze gedeu­tet wer­den müs­se, … da, ent­spre­chend der ›Lücken­lo­sig­keit‹ des Rechts­sys­tems, ja auch die ›recht­li­che Geord­ne­t­heit‹ eine Grund­ka­te­go­rie allen sozia­len Gesche­hens sei.« (WuG 1922 S. 396 = RS S. 126)

Die Sache wird rein begriff­lich dadurch etwas kom­pli­ziert, dass Weber der juris­ti­schen Tra­di­ti­on ent­spre­chend auch for­mel­les und mate­ri­el­les Recht unter­schei­det. Das Ver­fah­rens­recht ist »for­mell« und das Sach­recht ist »mate­ri­ell«. Es gibt des­halb »for­ma­les« for­mel­les Recht in Gestalt etwa eines ritua­li­sier­ten Ver­fah­rens. Und es gibt »for­ma­les« mate­ri­el­les Recht, näm­lich in Gestalt der Begriffs­ju­ris­pru­denz oder eines Prä­ju­di­zi­en­rechts.

For­ma­le Ratio­na­li­tät Sin­ne kor­re­spon­diert mit Webers Vor­stel­lung einer wert­frei­en Wis­sen­schaft (§ 18). Da Weber eine wis­sen­schaft­lich begrün­de­te Wert­wahl für aus­ge­schlos­sen hielt, sah er die Ratio­na­li­tät der Rechts­wis­sen­schaft davon abhän­gig, dass sie auf Wert­ent­schei­dun­gen ver­zich­tet. Sol­che Ent­schei­dun­gen muss eine for­mal-ratio­nal kon­zi­pier­te Juris­pru­denz den Inter­es­sen­ten und Par­la­men­ten über­las­sen. Sie muss sich dar­auf beschrän­ken, den in Rechts­ge­schäf­ten geäu­ßer­ten Wil­len der Men­schen durch­zu­set­zen und das posi­ti­ve Recht, wie es ist, zu akzep­tie­ren und als Basis für Deduk­ti­on und Sub­sum­ti­on zu nut­zen. Die Wert­ent­schei­dun­gen müs­sen außer­recht­lich getrof­fen wer­den, und das Recht beschränkt sich dar­auf, sie umzu­set­zen. Dass damit grund­le­gen­de Wer­tun­gen aus­ge­blen­det wer­den, ist für die Ratio­na­li­tät nicht ent­schei­dend, denn maß­geb­lich ist das Selbst­ver­ständ­nis der Rechts­wis­sen­schaft. Inso­weit erweist sich for­ma­le Ratio­na­li­tät als Theo­rie des Rechts­po­si­ti­vis­mus.

Zwi­schen for­ma­ler und mate­ria­ler Ratio­na­li­tät sah Weber einen unaus­trag­ba­ren Gegen­satz:

»Die ›Rechts­gleich­heit‹ und das Ver­lan­gen nach Rechts­ga­ran­ti­en gegen Will­kür for­dert die for­ma­le ratio­na­le ›Sach­lich­keit‹ der Ver­wal­tung im Gegen­satz zu dem per­sön­li­chen frei­en Belie­ben aus der Gna­de der alten Patri­mo­ni­al­herr­schaft. Das ›Ethos‹ aber, wenn es in einer Ein­zel­fra­ge die Mas­sen beherrscht …, stößt mit sei­nen am kon­kre­ten Fall und der kon­kre­ten Per­son ori­en­tier­ten Pos­tu­la­ten nach mate­ri­el­ler ›Gerech­tig­keit‹ mit dem For­ma­lis­mus und der regel­ge­bun­de­nen küh­len ›Sach­lich­keit‹ der büro­kra­ti­schen Ver­wal­tung unver­meid­lich zusam­men und muß dann aus die­sem Grund emo­tio­nal ver­wer­fen, was ratio­nal gefor­dert wor­den war.« (WuG 1922, S. 664)

Für die Güter­markt­in­ter­es­sen­ten bedeu­tet die Ratio­na­li­sie­rung und Sys­te­ma­ti­sie­rung des Rechts zwar eine der wich­tigs­ten Vor­be­din­gun­gen für öko­no­mi­sche Dau­er­be­trie­be, weil sie das Funk­tio­nie­ren der Rechts­pfle­ge bere­chen­bar mache und damit juris­ti­sche Ver­kehrs­si­cher­heit schaf­fe (z. B. WuG 1922 S. 469 = RS S. 266). Auf der ande­ren Sei­te wer­de aber die fach­ju­ris­ti­sche Logik, die juris­ti­sche Kon­struk­ti­on der Tat­be­stän­de des Lebens an Hand abs­trak­ter Rechts­sät­ze, die pri­va­ten Rechts­in­ter­es­sen­ten auf das Gründ­lichs­te ent­täu­schen, denn ihre Erwar­tun­gen sei­en regel­mä­ßig an der »Inter­es­sen­la­ge« ori­en­tiert. Das for­mal ratio­na­li­sier­te Recht sei aber auch mit den For­de­run­gen einer sozia­len Demo­kra­tie nicht ver­ein­bar:

»Nun aber ent­ste­hen mit dem Erwa­chen moder­ner Klas­sen­pro­ble­me mate­ria­le Anfor­de­run­gen an das Recht von sei­ten eines Teils der Rechts­in­ter­es­sen­ten (nament­lich der Arbei­ter­schaft) … wel­che … ein sozia­les Recht auf der Grund­la­ge pathe­ti­scher sitt­li­cher Pos­tu­la­te (›Gerech­tig­keit‹, ›Men­schen­wür­de‹) ver­lan­gen. Dies aber stellt den For­ma­lis­mus des Rechts grund­sätz­lich in Fra­ge.« (WuG 1922, 506 = RS S. 336 f.)

Weber sah daher die for­ma­le Ratio­na­li­tät durch anti­for­ma­le Ten­den­zen in der Rechts­ent­wick­lung sei­ner Zeit gefähr­det. Er wies nach­drück­lich dar­auf hin, dass sich in die­sen Ten­den­zen die Wün­sche der Rechts­in­ter­es­sen­ten mit den inter­nen Stan­des­ideo­lo­gi­en der Rechts­prak­ti­ker trä­fen; denn ein­ge­spannt in ein for­ma­les Sys­tem sähen die Juris­ten ihre Bedeu­tung schwin­den, fühl­ten sie sich doch als blo­ße Rechts­au­to­ma­ten. Damit ziel­te Weber ins­be­son­de­re auf die sog. Frei­rechts­schu­le, die der Begriffs­ju­ris­pru­denz den Kampf ange­sagt hat­te (vgl. § 11 II):

»Die Situa­ti­on des an die blo­ße Inter­pre­ta­ti­on von Para­gra­phen und Kon­trak­ten gebun­de­nen Rechts­au­to­ma­ten, in wel­chen man oben den Tat­be­stand nebst den Kos­ten ein­wirft, auf dass er unten das Urteil nebst den Grün­den aus­speie, erscheint den moder­nen Rechts­prak­ti­kern sub­al­tern und wird gera­de mit der Uni­ver­sa­li­sie­rung des kodi­fi­zier­ten for­ma­len Geset­zes­rechts immer pein­li­cher emp­fun­den. Sie bean­spru­chen’ ›schöp­fe­ri­sche‹ Rechts­tä­tig­keit für den Rich­ter, zum min­des­tens da, wo die Geset­ze ver­sa­gen.« (WuG 1922 S. 506 = RS S. 336)

»Durch die ste­ti­ge Zunah­me der for­mu­lier­ten Geset­zes­rech­te und nament­lich der sys­te­ma­ti­schen Kodi­fi­ka­tio­nen füh­len sich die aka­de­mi­schen Juris­ten in ihrer Bedeu­tung und auch in den Chan­cen der Bewe­gungs­frei­heit des wis­sen­schaft­li­chen Den­kens emp­find­lich bedroht, und die rapi­de Zunah­me der sowohl anti­lo­gi­schen wie anti­his­to­ri­schen Bewe­gun­gen in Deutsch­land … ist dadurch leicht erklär­lich und inso­fern Pro­dukt einer his­to­ri­schen, intern intel­lek­tua­lis­ti­schen Inter­es­sen­kon­stel­la­ti­on.« (WuG 1922, 508 = RS S. 339)

Das Kapi­tel zur Rechts­so­zio­lo­gie in »Wirt­schaft und Gesell­schaft« endet mit einer Pro­gno­se:

»Wie immer aber sich unter allen die­sen Ein­flüs­sen das Recht und die Rechts­pra­xis gestal­ten mögen, unter allen Umstän­den ist als Kon­se­quenz der tech­ni­schen und öko­no­mi­schen Ent­wick­lung, allem Lai­en­rich­ter­tum zum Trotz, die unver­meid­lich zuneh­men­de Unkennt­nis des an tech­ni­schem Gehalt ste­tig anschwel­len­den Rechts auf Sei­ten der Lai­en, also die Fach­mä­ßig­keit des Rechts, und die zuneh­men­de Wer­tung des gel­ten­den Rechts als eines ratio­na­len, daher jeder­zeit zweck­ra­tio­nal umzu­schaf­fen­den, jeder inhalt­li­chen Hei­lig­keit ent­beh­ren­den, tech­ni­schen Appa­rats sein unver­meid­li­ches Schick­sal.« (WuG 1922 S. 512 = RS S. 346 f.)

Weber hat, wie er selbst her­vor­hebt (WuG 394 u. 472) sei­ne Ratio­na­li­sie­rungs­the­se haupt­säch­lich am Pri­vat­recht und an der büro­kra­tisch arbei­ten­den Ver­wal­tung ent­wi­ckelt. Das Straf­recht hat er eher ver­nach­läs­sigt.[6]

III. Die Bedeutung Max Webers für die Rechtssoziologie

Webers Recht­so­zio­lo­gie ist, nicht zuletzt durch die über­spitz­te Kri­tik Antho­ny Kron­mans[7] als »Col­la­gen­werk«[8] in Ver­ruf gera­ten, nicht nur, weil rein tech­nisch betrach­tet, das Manu­skript zusam­men­ge­stü­ckelt erscheint, son­dern weil Max Weber dar­in sei­ne The­se von der Ratio­na­li­sie­rung des Rechts mit einer Fül­le von rechts­his­to­ri­schem Mate­ri­al begrün­det, des­sen Aus­wahl und Qua­li­tät man von einem zeit­ge­nös­si­schen Autor so nicht mehr akzep­tie­ren wür­de. Die­se Krit­te­lei ändert aber nichts dar­an, dass die Ratio­na­li­sie­rungs­the­se von den gro­ßen Hypo­the­sen der Rechts­so­zio­lo­gie eine der größ­ten ist.

Im Rah­men sei­ner Ratio­na­li­sie­rungs­hy­po­the­se hat Weber beson­ders ein­drucks­voll das Phä­no­men der Büro­kra­ti­sie­rung beschrie­ben und ist damit zum Begrün­der der moder­nen Orga­ni­sa­ti­ons­so­zio­lo­gie gewor­den (vgl. § 79). Mit der ide­al­ty­pi­schen Unter­schei­dung und Beschrei­bung der tra­di­tio­na­len, der cha­ris­ma­ti­schen und der lega­len Herr­schaft hat er die Grund­la­ge der Herr­schafts­so­zio­lo­gie gelegt (§ 31). Allein damit hät­te Weber mehr als fast jeder ande­re zur Rechts­so­zio­lo­gie bei­ge­tra­gen. Sei­ne eigent­li­che Leis­tung liegt jedoch dar­in, dass er als ers­ter die neue Qua­li­tät des moder­nen Rechts, sei­ne Ablö­sung von der gesell­schaft­li­chen Moral eben­so wie von der Wirt­schaft, voll erfasst und in der fach­män­ni­schen Ver­wal­tung des Rechts durch einen wis­sen­schaft­lich aus­ge­bil­de­ten Berufs­stand auch einen ent­schei­den­den Schlüs­sel für die Auto­no­mie des Rechts gefun­den hat:

»Wir wer­den sehen, dass ein Recht in ver­schie­de­ner Art, und kei­nes­wegs not­wen­dig in der Rich­tung der Ent­fal­tung sei­ner ›juris­ti­schen‹ Qua­li­tä­ten ratio­na­li­siert wer­den kann. Die Rich­tung, in wel­cher die­se for­ma­len Qua­li­tä­ten sich ent­wi­ckeln, ist aber bedingt direkt durch sozu­sa­gen ›inner­ju­ris­ti­sche‹ Ver­hält­nis­se: die Eigen­art der Per­so­nen­krei­se, wel­che auf die Art der Rechts­ge­stal­tung berufs­mä­ßig Ein­fluß zu neh­men in der Lage sind, und erst indi­rekt durch die all­ge­mei­nen öko­no­mi­schen und sozia­len Bedin­gun­gen.« (WuG S.411)

Die Bedeu­tung Webers für die Rechts­so­zio­lo­gie kann kaum über­schätzt wer­den. Etwa seit 1980 war eine regel­rech­te Weber-Renais­sance zu beob­ach­ten. Sei­ne Ana­ly­sen haben das mar­xis­ti­sche Gedan­ken­gut, das in den 60er und 70er Jah­ren der wich­tigs­te Ide­en­lie­fe­rant für die Rechts­so­zio­lo­gie war, mehr und mehr ver­drängt. Auch wenn spä­ter Luh­mann als Theo­rie­pro­du­zent in den Vor­der­grund trat, blieb Weber in einer Wei­se prä­sent, dass man mit ihm – bis heu­te – fast wie mit einem Zeit­ge­nos­sen dis­ku­tiert.

IV.                       Exkurs: Die Bildung von Idealtypen

Tex­te von Max Weber, Die »Objek­ti­vi­tät« sozi­al­wis­sen­schaft­li­cher und sozi­al­po­li­ti­scher Erkennt­nis, 1904; Die drei rei­nen Typen der legi­ti­men Herr­schaft, 1922, bei­des in: ders., Gesam­mel­te Auf­sät­ze zur Wis­sen­schafts­leh­re, 3. Aufl. 1967; Sozio­lo­gi­sche Grund­be­grif­fe, in: ders., Wirt­schaft und Gesell­schaft, Ers­ter Teil, 1922.

Lite­ra­tur: Gert Albert, Weber-Para­dig­ma, in: Georg Kneer/Markus Schro­er (Hg.), Hand­buch Sozio­lo­gi­sche Theo­ri­en, 2009, 517–554; Uta Ger­hardt, Ide­al­ty­pus. Zur metho­do­lo­gi­schen Begrün­dung der moder­nen Sozio­lo­gie, 2001; Carl G. Hempel/Paul Oppen­heim, Der Typus­be­griff im Lich­te der neu­en Logik, 1936; Jür­gen von Kemp­ski, Zur Logik der Ord­nungs­be­grif­fe, beson­ders in den Sozi­al­wis­sen­schaf­ten, Stu­di­um Gene­ra­le 5, 1952, 205ff (wie­der abge­druckt in Hans Albert (Hg.), Theo­rie und Rea­li­tät, 1964, 209–222); Susann Klu­ge, Empi­risch begrün­de­te Typen­bil­dung. Zur Kon­struk­ti­on von Typen und Typo­lo­gi­en in der qua­li­ta­ti­ven Sozi­al­for­schung, 1999; Wulf Hopf, Regel­mä­ßig­kei­ten und Typen, ZfSo­zio­lo­gie, 20, 1991, 124–137; Rolf Zieg­ler, Typo­lo­gi­en und Klas­si­fi­ka­tio­nen, in: Sozio­lo­gie, FS für René König, 1973, 11–47.

»An ›Legi­ti­mi­täts­grün­den‹ der Herr­schaft gibt es, in ganz rei­ner Form, nur drei, von denen — im rei­nen Typus — jeder mit einer grund­ver­schie­de­nen sozio­lo­gi­schen Struk­tur des Ver­wal­tungs­stabs und der Ver­wal­tungs­mit­tel ver­knüpft ist.« (Die drei Typen der legi­ti­men Herr­schaft, GAWL S. 475)

So heißt es am Anfang der Abhand­lung, die Max Webers Herr­schafts­so­zio­lo­gie ent­hält. Bevor wir uns in § 31 sei­nen sach­li­chen Aus­sa­gen zuwen­den, müs­sen wir einen metho­do­lo­gi­schen Exkurs ein­schie­ben. Rei­ne Form ist hier gleich­be­deu­tend mit dem von Weber häu­fi­ger gebrauch­ten Begriff des rei­nen Typus oder des Ide­al­ty­pus. Wor­um han­delt es sich dabei?

Der Objekt­be­reich der Sozio­lo­gie besteht aus einer Viel­zahl von Hand­lun­gen, die jeweils von­ein­an­der ver­schie­den sind. Kei­ne Hand­lung gleicht der ande­ren, sind doch die Situa­tio­nen, die Absich­ten der Hand­lungs­part­ner, der lebens­ge­schicht­li­che Erfah­rungs­hin­ter­grund, der hand­lungs­lei­tend wird, jeweils spe­zi­fisch. Der Sozio­lo­ge unter­sucht also eine ver­wir­ren­de Viel­falt von Abläu­fen. Will er sie erfas­sen und beschrei­ben, dann muss er sie struk­tu­rie­ren, d. h. Ord­nung in die beob­ach­te­ten Erschei­nun­gen brin­gen. In die­ser Sys­te­ma­ti­sie­rung und Ver­ein­fa­chung liegt die Leis­tung von Typo­lo­gi­en. Der Vor­gang der Typen­bil­dung ist immer der­sel­be, gleich­gül­tig ob es sich um Typen von Gemein­den, Men­schen oder Ver­hal­tens­wei­sen han­delt. In jedem Fal­le wer­den Objek­te nach Maß­ga­be ihrer Ähn­lich­keit zusam­men­ge­fasst.

Der Typus steht im Gegen­satz zum Begriff. Mit Hil­fe von Begrif­fen wer­den die Erschei­nun­gen des Lebens in Klas­sen geord­net, zwi­schen denen kla­re, abschlie­ßend fest­ge­leg­te Gren­zen ver­lau­fen. Jeden­falls der Idee nach ist der Begriff scharf defi­niert: Men­schen sind ent­we­der min­der­jäh­rig oder voll­jäh­rig; Delik­te wer­den ein­ge­teilt in Ord­nungs­wid­rig­kei­ten, Ver­ge­hen und Ver­bre­chen; Wir­bel­tie­re sind Säu­ge­tie­re oder Vögel oder Fische. Typen dage­gen haben zwar ein­deu­ti­ge Schwer­punk­te, sind an den Rän­dern aber unscharf: Men­schen sind jugend­lich oder erwach­sen, aber die Gren­zen sind flie­ßend. Straf­tä­ter sind Gele­gen­heits­ver­bre­cher oder Rezi­di­vis­ten, ohne dass die Unter­schei­dung an eine bestimm­te Anzahl von Taten geknüpft wer­den könn­te. In sei­ner Fle­xi­bi­li­tät ent­spricht der Typus der Unschär­fe sozia­ler Gesetz­mä­ßig­kei­ten. Dar­auf beruht die Nei­gung der Sozio­lo­gie zum Typus, die frei­lich zuneh­mend durch ande­re, ela­bo­rier­te­re Metho­den ver­drängt wird. Empi­ri­sche Sozi­al­for­schung arbei­tet oft mit Durch­schnitts- und Häu­fig­keits­ty­pen, die auch als deskrip­ti­ve oder Real­ty­pen bezeich­net wer­den. Der Durch­schnitts­typ des deut­schen Juris­ten, so mein­te Kau­pen, stam­me aus einer kon­for­mis­tisch ori­en­tier­ten Mit­tel­stands­fa­mi­lie.[9] Bedeu­tung haben fer­ner kau­sa­le und pro­gnos­ti­sche Typen, denen jeweils schon eine zur Erklä­rung der Wirk­lich­keit die­nen­de Arbeits­hy­po­the­se zugrun­de liegt. Der früh­kri­mi­nel­le Rück­fall­ver­bre­cher ist nicht nur Häu­fig­keits­typ, son­dern auch ein kau­sa­ler Typ, weil frü­hes Ein­set­zen der Kri­mi­na­li­tät beson­ders häu­fig einen Rück­fall nach sich zieht.

Die Denk­form des Typus ist auch in der Rechts­wis­sen­schaft ver­brei­tet.[10] Der Jurist ori­en­tiert sich bei­spiels­wei­se an den empi­ri­schen Durch­schnitts­ty­pen etwa eines Kauf­manns, Arz­tes, Rich­ters oder Bau­un­ter­neh­mers, um die Sorg­falts­an­for­de­run­gen, die nach § 276 BGB zu stel­len sind, zu kon­kre­ti­sie­ren. Erheb­li­che Bedeu­tung hat der Häu­fig­keits­ty­pus bei dem soge­nann­ten Anscheins­be­weis. Wenn ein Kau­salab­lauf bewie­sen wer­den soll, so gilt der Beweis als erbracht, wenn der behaup­te­te Ver­lauf nach den fest­ge­stell­ten Umstän­den einem typi­schen Gesche­hens­ab­lauf ent­spricht. Die­ser Pri­ma-facie-Beweis ent­fällt erst dann, wenn der Geg­ner im kon­kre­ten Fall Umstän­de bewei­sen kann, die auf einen aty­pi­schen Ver­lauf hin­deu­ten. Auch hier han­delt es sich um einen empi­ri­schen Typus. Aller­dings bil­den die Gerich­te sol­che Durch­schnitts und Häu­fig­keits­ty­pen aus Erfah­rungs­sät­zen, die aus der all­ge­mei­nen Lebens­er­fah­rung gewon­nen wer­den, also auf der Grund­la­ge ihres All­tags­wis­sens, ohne die Metho­den empi­ri­scher Sozi­al­for­schung zu bemü­hen. In der juris­tisch-metho­di­schen Lite­ra­tur wird der Typus, ganz ähn­lich wie der Begriff der sozia­len Rol­le (§ 53), viel­fach auch als Bin­de­glied zwi­schen Sozio­lo­gie und Dog­ma­tik in Anspruch genom­men.

Was bedeu­tet nun im Unter­schied zu den Durch­schnitts- und Häu­fig­keits­ty­pen der Ide­al­typ Max Webers? Er hat nichts zu tun mit einem Ide­al im Sin­ne einer Wer­tung, mit einem Ide­al, das uns als gut und rich­tig vor­ge­schla­gen wird, son­dern es geht um eine theo­re­ti­sche Kon­struk­ti­on ganz im Diens­te empi­ri­scher Sozio­lo­gie. Das ist etwas ver­wir­rend, weil etwa um die glei­che Zeit der Staats­recht­ler Georg Jel­li­nek einen nor­ma­ti­ven Ide­al­typ kre­iert hat, der, wie etwa der Ide­al­typ der voll­kom­me­nen Demo­kra­tie, als Ziel­bild oder Bewer­tungs­maß­stab die­nen soll für alles, was empi­risch an mehr oder weni­ger dem Ide­al ent­spre­chen­den Ver­wirk­li­chun­gen anzu­tref­fen ist.[11] Von die­sem nor­ma­ti­ven Ide­al­typ ist also Max Webers logi­scher Ide­al­typ streng zu tren­nen. Der Ide­al­typ ist kein idea­ler Typ.

Man darf Webers Ide­al­typ aber auch nicht ein­fach nur als einen empi­ri­schen Durch­schnitts­typ anse­hen; das wäre ein ver­kürz­tes Ver­ständ­nis (Hopf). Weber hat den Ide­al­typ erst­mals im Objek­ti­vi­täts­auf­satz von 1904 ent­wi­ckelt, um Objek­ti­vi­tät gera­de auch für die Sozi­al­wis­sen­schaf­ten zu sichern, die immer und über­all in der Gesell­schaft auf Wer­te trifft. Die Sozi­al­wis­sen­schaf­ten haben es mit Kul­tur­er­schei­nun­gen zu tun.

»Will man sol­che Dis­zi­pli­nen, wel­che die Vor­gän­ge des mensch­li­chen Lebens unter dem Gesichts­punkt ihrer Kul­tur­be­deu­tung betrach­ten, ›Kul­tur­wis­sen­schaf­ten‹ nen­nen, so gehört die Sozi­al­wis­sen­schaft in unse­rem Sin­ne in die­se Kate­go­rie hin­ein.« (GAWL S. 165)

Die Kul­tur­er­schei­nun­gen haben die Qua­li­tät eines »his­to­ri­schen Indi­vi­du­ums« (GAWL S. 178). Auch inso­weit blei­be die Suche nach »kon­kre­ten kau­sa­len Zusam­men­hän­gen« sinn­voll. Der Ide­al­typ soll die Ver­knüp­fung zwi­schen sozia­len Regeln und his­to­ri­schen Indi­vi­du­en schaf­fen. Webers Bei­spiel ist die »Idee der ›Stadt­wirt­schaft‹ des Mit­tel­al­ters«, von der es heißt (S. 191), sie bil­de nicht den »Durch­schnitt der in sämt­li­chen beob­ach­te­ten Städ­ten tat­säch­lich bestehen­den Wirt­schafts­prin­zi­pi­en«, son­dern einen Ide­al­ty­pus.

»Er wird gewon­nen durch ein­sei­ti­ge Stei­ge­rung eines oder eini­ger Gesichts­punk­te und durch Zusam­men­schluß einer Fül­le von dif­fus und dis­kret, hier mehr, dort weni­ger, stel­len­wei­se gar nicht, vor­han­de­nen Ein­zelerschei­nun­gen, die sich jenen ein­sei­tig her­aus­ge­ho­be­nen Gesichts­punk­ten fügen, zu einem in sich ein­heit­li­chen Gedan­kengebil­de. In sei­ner begriff­li­chen Rein­heit ist die­ses Gedan­ken­bild nir­gends in der Wirk­lich­keit empi­risch vor­find­bar, es ist eine Uto­pie, und für die his­to­ri­sche Arbeit erwächst die Auf­ga­be, in jedem ein­zel­nen Fal­le fest­zu­stel­len, wie nahe oder wie fern die Wirk­lich­keit jenem Ide­al­bil­de steht, inwie­weit also der öko­no­mi­sche Cha­rak­ter der Ver­hält­nis­se einer bestimm­ten Stadt als »stadt­wirt­schaft­lich« im begriff­li­chen Sinn anzu­spre­chen ist.«

Das Ver­ständ­nis von Webers Kon­struk­ti­on wird dadurch erschwert, dass sich sein das Erkennt­nis­ziel, dass er mit der Bil­dung von Ide­al­ty­pen ver­bin­det, vom Objek­ti­vi­täts­auf­satz zu den »Grund­be­grif­fen« ver­scho­ben hat (Albert S. 523). 1904 sprach er noch von Kul­tur­wis­sen­schaf­ten und lehnt eine gene­ra­li­sie­ren­de Betrach­tungs­wei­se ab.

»Die Erkennt­nis des Gene­rel­len ist uns in den Kul­tur­wis­sen­schaf­ten nie um ihrer selbst wil­len wert­voll.« (GAWL S. 179)

15 Jah­re spä­ter for­mu­lier­te Weber  als Ein­gangs­ka­pi­tel für WuG »Sozio­lo­gi­sche Grund­be­grif­fe«.

»Die Sozio­lo­gie bil­det – wie schon mehr­fach als selbst­ver­ständ­lich vor­aus­ge­setzt – Typen-Begrif­fe und sucht gene­rel­le Regeln des Gesche­hens. Im Gegen­satz zur Geschich­te, wel­che die kau­sa­le Ana­ly­se und Zurech­nung indi­vi­du­el­ler, kul­turwich­ti­ger, Hand­lun­gen, Gebil­de, Per­sön­lich­kei­ten erstrebt.« (WuG 1922 S. 9)

Hin­sicht­lich des Ide­al­ty­pus hat­te Weber von einer »gene­ti­schen Defi­ni­ti­on« gespro­chen (GAWL S. 194). Das ist eine For­mu­lie­rung, die aus­sieht wie eine Aus­sa­ge über empi­ri­sche Gesetz­mä­ßig­kei­ten, aber nicht so »gemeint ist, son­dern nur den Sta­tus einer Defi­ni­ti­on besitzt« (Albert S. 524). Wis­sen­schafts­theo­re­tisch ord­net Albert den Ide­al­typ mit eini­gem Auf­wand als ein non­state­ment-view im Sin­ne von Ronald Gie­re ein.[12] Hier genügt es, von einem theo­re­ti­schen Modell zu spre­chen, dass selbst noch kei­ne empi­ri­sche Hypo­the­se dar­stellt, aber die Hypo­the­sen­bil­dung anlei­tet. Dazu passt fol­gen­des Weber-Zitat:

»Für die For­schung will der ide­al­ty­pi­sche Begriff das Zurech­nungs­ur­teil schu­len: er ist kei­ne ›Hypo­the­se‹, aber er will der Hypo­the­sen­bil­dung die Rich­tung wei­sen. Er ist nicht eine Dar­stel­lung des Wirk­li­chen, aber er will der Dar­stel­lung ein­deu­ti­ge Aus­drucks­mit­tel ver­lei­hen. … In sei­ner begriff­li­chen Rein­heit ist die­ses Gedan­ken­bild nir­gends in der Wirk­lich­keit empi­risch vor­find­bar, es ist eine Uto­pie, und für die his­to­ri­sche Arbeit erwächst die Auf­ga­be, in jedem ein­zel­nen Fal­le fest­zu­stel­len, wie nahe oder wie fern die Wirk­lich­keit jenem Ide­al­bil­de steht, inwie­weit also der öko­no­mi­sche Cha­rak­ter der Ver­hält­nis­se einer bestimm­ten Stadt als »stadt­wirt­schaft­lich« im begriff­li­chen Sinn anzu­spre­chen ist. Für den Zweck der Erfor­schung und Ver­an­schau­li­chung aber leis­tet jener Begriff, vor­sich­tig ange­wen­det sei­ne spe­zi­fi­schen Diens­te.« (GAWL S. 190f).

Es han­delt sich um eine Modell­kon­struk­ti­on, in der bestimm­te Züge der Wirk­lich­keit ein­sei­tig über­stei­gert wer­den, um sie dadurch beson­ders klar her­aus­zu­he­ben. Ein Bei­spiel wäre etwa der homo oeco­no­mi­c­us, mit dem die Volks­wir­te ope­rie­ren, also der Mensch, der sich am Markt ganz ratio­nal ver­hält und sei­ne Ent­schei­dung in Kennt­nis aller rele­van­ten Umstän­de rein unter öko­no­mi­schen Gesichts­punk­ten trifft. So han­delt in Wirk­lich­keit nie­mand. Aber als Modell­vor­stel­lung ist die­ser »rei­ne« Typ hilf­reich, um die »empi­ri­sche Wirk­lich­keit mit ihm zu ver­glei­chen, ihren Abstand von ihm oder ihre rela­ti­ve Annä­he­rung an ihn fest­zu­stel­len, um sie so mit mög­lichst ein­deu­tig ver­ständ­li­chen Begrif­fen beschrei­ben und kau­sal zurech­nend ver­ste­hen und erklä­ren zu kön­nen« (GAWL S. 521 f.).

Auf ein ver­brei­te­tes Miss­ver­ständ­nis soll noch hin­ge­wie­sen wer­den: Typo­lo­gi­en infor­mie­ren nicht über die Wirk­lich­keit. Aus dem Umstand, dass die sozio­lo­gi­sche Theo­rie einen Typus kennt, folgt nicht, dass er auch in der empi­ri­schen Welt zu beob­ach­ten ist. Typo­lo­gi­en haben ledig­lich einen heu­ris­ti­schen Wert, d. h. sie hel­fen bei der Suche nach Zusam­men­hän­gen, indem sie Model­le anbie­ten, um die zunächst unüber­sicht­li­che Viel­falt der sozia­len Erschei­nun­gen zu über­schau­ba­ren Grup­pen zusam­men­zu­fas­sen. Max Weber hat dies sehr wohl gewusst. Er spricht von »Ideal«-typen und meint damit, dass die von ihm beschrie­be­nen Typen in ihrer rei­nen Form empi­risch wohl nur sel­ten beob­acht­bar sind. Dies kann aber ihre Brauch­bar­keit nicht ent­schei­dend min­dern. Als Beschrei­bungs­mus­ter sind sie auch dann nütz­lich, wenn sie nur mit Modi­fi­ka­tio­nen vor­find­bar sind. Sozio­lo­gisch inter­es­sant sind gera­de die Erschei­nun­gen, die zwi­schen den Ide­al­ty­pen lie­gen. Auch Webers Ein­tei­lung der Herr­schafts­ty­pen ist der­art ide­al­ty­pisch gemeint. Sie will also nur einen »rei­nen«, »gestei­ger­ten« Begriff zur bes­se­ren Erfas­sung der Wirk­lich­keit geben. In der Wirk­lich­keit ist kei­ner der Legi­ti­mi­täts­grün­de je rein anzu­tref­fen. Sie kreu­zen und mischen sich.

Webers Ide­al­ty­pen sind aus der Mode gekom­men. Sie sind heu­te weit­ge­hend durch »Model­le« oder durch »Sys­te­me« abge­löst wor­den. »Damit läuft die Sozio­lo­gie Gefahr, sich von ihren Nach­bar­dis­zi­pli­nen, den auf kon­kre­te Phä­no­me­ne aus­ge­rich­te­ten Geschichts-, Poli­tik und Lite­ra­tur­wis­sen­schaf­ten, kaum noch zu unter­schei­den«, denn die Beschrei­bung hoch­ver­netz­ter sozia­ler Zusam­men­hän­ge ist ohne die Bil­dung von Ide­al­ty­pen kaum zu haben. [13] In der Rechts­so­zio­lo­gie hat sich das metho­di­sche Hilfs­mit­tel der Typen­bil­dung – mit und häu­fi­ger noch ohne Bezug­nah­me auf Weber – bewährt. Als ide­al­ty­pisch kann man die Unter­schei­dung von adver­s­a­ri­schen und inqui­si­to­ri­schen Ver­fah­ren durch Thibaut und Wal­ker oder die Unter­schei­dung zwi­schen tech­no­lo­gi­cal­ly com­plex rich socie­ties und tech­no­lo­gi­cal­ly simp­le poor socie­ties durch Fel­sti­ner (LSR 1974, 64) ein­ord­nen. Dage­gen geht es bei der Gegen­über­stel­lung von Ein­mal­pro­zes­sie­rern (one­s­hot­ter) und Viel­fach­pro­zes­sie­rern (repeat play­er) durch Galan­ter (LSR 9, 1974, 97) nur um Durch­schnitts­ty­pen.

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[1] Zum Schick­sal der »Rechts­so­zio­lo­gie« liest man an Stel­le der umfang­ei­chen Berich­te der Edi­to­ren bes­ser die aus­führ­li­che Kri­tik von Dirk Kaes­ler, Rezen­si­ons­fo­rum.

[2] MWG Hin­wei­se der Her­aus­ge­ber, MWG 22–3, S. XII.

[3] Bespre­chung von Rudolf Stamm­ler, Wirt­schaft und Recht nach der mate­ria­lis­ti­schen Geschichts­auf­fas­sung, 2. Aufl. 1906. Erst­druck in: Archiv für Sozi­al­wis­sen­schaft und Sozi­al­po­li­tik, 24, 1907, S. 94–151. Es lohnt sich, die­se Rezen­si­on nach­zu­le­sen allein um zu erle­ben, mit wel­cher uner­hör­ten Schär­fe sei­ner­zeit Wis­sen­schafts­kon­tro­ver­sen aus­ge­foch­ten wur­den. Heu­te wird die Stamm­ler­kri­tik gewöhn­lich nach dem Abdruck in den Gesam­mel­ten Auf­sät­ze zur Wis­sen­schafts­leh­re zitiert.

[4] Vgl. etwa Frank K. Upham, Myth­ma­king in the Rule of Law Ortho­d­o­xy, in: Tho­mas Caro­thers (Hg.), Pro­mo­ting the Rule of Law Abroad, Washing­ton DC, 2006, S. 75–104, S. 91ff; . John Owen Haley, The Poli­tics of Infor­mal Jus­ti­ce: The Japa­ne­se Expe­ri­ence, 1922–1942, in: Richard L. Abel (Hg.), The Poli­tics of Infor­mal Jus­ti­ce, The Ame­ri­can Expe­ri­ence, 1982, Bd. 1, 125–147.

[5] Kadi oder Qadi heißt der Rich­ter im Islam. Als empi­ri­sche Unter­su­chung zur Ent­schei­dungs­wei­se des Kadi, vgl. Lawrence Rosen, The Anthro­po­lo­gy of Jus­ti­ce. Law as Cul­tu­re in Isla­mic Socie­ty, Cam­bridge Uni­ver­si­ty Press 1999; fer­ner im Inter­net Elke Stock­rei­ter, Isla­mi­sches Recht und sozia­ler Wan­del: Die Kadhi-Gerich­te von Mal­in­di, Kenya und Zan­zi­bar, Tan­za­nia, 2002..

[6] Wolf­gang Stangl, Die fort­schrei­ten­de Ver­zau­be­rung der Welt des Straf­rechts. Kri­ti­sches zur Ratio­na­li­sie­rungs­the­se Max Webers, ZfR­Soz 13, 1992, 44–64

[7] Antho­ny T. Kron­man, Max Weber, 1983; dazu die Rezen­si­on von David M. Tru­bek, Recon­struc­ting Max Weber’s Socio­lo­gy of Law, Stan­ford Law Review 37, 1985, 919–936.

[8] Wer­ner Gephart, Das Col­la­gen­werk, Rechts­ge­schich­te 3, 2003, 111–127. Zur so genann­ten »Rechts­so­zio­lo­gie« Max Webers.

[9] Die Hüter von Recht und Ord­nung, 1969, 216; vgl. § 42,1.

[10] Karl Engisch (Die Idee der Kon­kre­ti­sie­rung in Recht und Rechts­wis­sen­schaft unse­rer Zeit, 2. Aufl. 1968, 237 ff.) sprach von einer »Hin­wen­dung zum Typus in Recht und Rechts­wis­sen­schaft«.

[11] All­ge­mei­ne Staats­leh­re, 3. Aufl. 1914 (Neu­druck 1966) S. 336.

[12] Gert Albert, Ide­al­ty­pen und das Ziel der Sozio­lo­gie, Ber­li­ner Jour­nal für Sozio­lo­gie 17, 2007, 51–75.

[13] Korn­wachs, Spek­trum der Wis­sen­schaft Heft 9, 1994, S. 117.

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