§ 3 Vorläufer

Lite­ra­tur: Gur­vitch, Grund­zü­ge der Sozio­lo­gie des Rechts, 1960, 47 ff.; Maier/Rausch/Denzer, Klas­si­ker des poli­ti­schen Den­kens, Bd. 1, 4. Aufl. 1972, Bd. 2, 3. Aufl. 1974; Pop­per, Die offe­ne Gesell­schaft und ihre Fein­de, 2 Bde., 1957.

I.                   Soziologische Fragen als Teil der Philosophie

Sozio­lo­gi­sche und rechts­so­zio­lo­gi­sche Fra­gen sind als sol­che kei­ne Errun­gen­schaft der Neu­zeit. Fra­gen die­ser Art hat man immer schon gestellt. Für einen his­to­ri­schen Über­blick könn­te man bei Pla­ton und Aris­to­te­les begin­nen. Zwei­tau­send Jah­re vor Karl Marx hat Pla­ton die Bedeu­tung des öko­no­mi­schen Hin­ter­grun­des für die poli­ti­sche Ent­wick­lung her­vor­ge­ho­ben und auch eine Art Klas­sen­theo­rie ent­wi­ckelt. Sie ent­hält, neben ande­ren, ein Gesetz poli­ti­scher Revo­lu­tio­nen, nach dem eine Revo­lu­ti­on eine Spal­tung der herr­schen­den Klas­se oder Eli­te vor­aus­setzt. Pla­tons Schü­ler Aris­to­te­les bestimm­te den Men­schen als »gesel­li­ges Wesen« (zoon poli­ti­kon); er erar­bei­te­te eine Theo­rie der Gerech­tig­keit, die schon vie­le Ele­men­te moder­ner sozi­al­psy­cho­lo­gi­scher Gerech­tig­keits­theo­ri­en (vgl. § 27) ent­hält und er sam­mel­te wie ein Recht­s­tat­sa­chen­for­scher 148 zeit­ge­nös­si­sche Ver­fas­sun­gen.

Aber wir wol­len uns mit die­ser ers­ten Pha­se nicht auf­hal­ten, in der die Sozio­lo­gie ein Teil der all­ge­mei­nen phi­lo­so­phi­schen Betrach­tung über die Gesell­schaft war, die sich auf den Staat, das Recht und die Moral kon­zen­trier­te. Sozio­lo­gi­sche Fra­gen waren noch ganz in ethi­sche und poli­ti­sche For­de­run­gen ein­ge­bet­tet. Pla­tons Staat, wie er ihn uns in dem gleich­na­mi­gen Dia­log vor­stellt, war der Absicht nach vor allem eine Leh­re von der idea­len, rich­ti­gen Gesell­schaft. Wenn Aris­to­te­les den Men­schen als Gemein­schafts­we­sen cha­rak­te­ri­sier­te, war das zwar auch als empi­ri­sche Aus­sa­ge, zugleich aber als Ziel­be­stim­mung gemeint. Für Aris­to­te­les war das Gemein­we­sen frei­er Bür­ger die Lebens­form, in der jeder sei­ne kör­per­li­chen und see­li­schen Fähig­kei­ten am bes­ten ent­wi­ckeln und in einer bestimm­ten Funk­ti­on für das Gan­ze sei­ne Erfül­lung fin­den kann.

II.                Montesquieu

Schrif­ten: Mon­tes­quieu, De l’esprit de lois, 1748, dt., Vom Geist der Geset­ze, 1965.

Lite­ra­tur: Hans Geser, Bevöl­ke­rungs­grö­ße und Staats­or­ga­ni­sa­ti­on (Habi­li­ta­ti­ons­schrift), Peter Lang Ver­lag Bern 1981; ders., Was ist eigent­lich ein Klein­staat?, in Romain Kirt/Arno Wasch­kuhn (Hg.), Klein­staa­ten Kon­ti­nent Euro­pa, 2001, 89–100; Heinz Mohn­haupt, His­to­ri­sche Ver­glei­chung im Bereich von Staat und Recht, 2000, (dar­in Mon­tes­quieu und die legis­la­to­ri­sche Milieu­theo­rie wäh­rend der Auf­klä­rungs­zeit im Deutsch­land, S. 189–204)

In einer zwei­ten Pha­se begeg­nen uns sozio­lo­gi­sche und spe­zi­ell rechts­so­zio­lo­gi­sche Fra­gen als Teil einer Strö­mung, die par­al­lel zur Renais­sance und spä­ter zur Auf­klä­rung das Natur­recht allein auf Ver­nunft grün­den will und es damit ver­welt­licht. Zu den­ken ist an die ver­schie­de­nen Kon­struk­tio­nen des Gesell­schafts­ver­tra­ges von Hob­bes über Rous­seau und Locke bis zu Kant. Aus die­ser Peri­ode ist ein Autor her­vor­zu­he­ben, der oft als Vor­läu­fer der Rechts­so­zio­lo­gie genannt wird. Bekann­ter ist er als einer der Väter des Prin­zips der Gewal­ten­tei­lung: Charles-Lou­is de Secon­dat, baron de la Brè­de et de Mon­tes­quieu (1689 — 1755). In sei­nem berühm­ten Buch über den Geist der Geset­ze (De l’esprit de lois, 1748) hat Mon­tes­quieu sehr deut­lich die wech­sel­sei­ti­ge Abhän­gig­keit von Recht und Sozi­al­le­ben gese­hen, die ein Haupt­the­ma der Rechts­so­zio­lo­gie bil­det. Bei Mon­tes­quieu fin­den sich auch schon die zwei ent­schei­den­den Gesichts­punk­te, die lan­ge Zeit die sozio­lo­gi­sche Betrach­tungs­wei­se präg­ten: Rela­ti­vis­mus und Deter­mi­nis­mus.

Zwar hat­te sich Mon­tes­quieu noch längst nicht von den natur­recht­li­chen Vor­stel­lun­gen frei gemacht, die sei­ne Zeit beherrsch­ten. Aber soweit er kon­kre­te Rechts­er­schei­nun­gen beschrieb und beob­ach­te­te, geschah das doch auf dem Stand­punkt der grund­le­gen­den Ver­än­der­lich­keit des Rechts in Raum und Zeit (Rela­ti­vis­mus). Davon zeugt die Beschrei­bung ganz gegen­sätz­li­cher Rege­lun­gen:

»Das Gesetz der Male­di­ven erlaubt es, eine Frau, die man ver­sto­ßen hat, wie­der auf­zu­neh­men. Das mexi­ka­ni­sche Gesetz bedroht die Wie­der­ver­ei­ni­gung (nach der Schei­dung) mit der Todes­stra­fe.«

Dann folgt aller­dings eine phi­lo­so­phi­sche Deu­tung:

»Das mexi­ka­ni­sche Gesetz war ver­nünf­ti­ger, da es selbst bei der Auf­lö­sung an die ewi­ge Dau­er der Ehe dach­te, wäh­rend das Gesetz der Male­di­ven weder die Ehe noch die Ver­sto­ßung ernst nimmt.«

Anschau­lich tritt der rela­ti­vis­ti­sche Stand­punkt Mon­tes­quieus auch her­vor, wenn er in sei­nen Kapi­tel­über­schrif­ten Aus­drü­cke gebraucht, die für sozia­len Wan­del ste­hen: »Über den Ursprung und die Umwäl­zung des Erb­rechts – wech­seln­de Recht­spre­chung – Ver­fall von Grund­la­gen«.

Noch deut­li­cher ist Mon­tes­quieus Deter­mi­nis­mus. Er erkann­te als einer der ers­ten, dass sozia­le Ord­nun­gen weder aus natur­recht­li­chen Prin­zi­pi­en, noch aus dem zweck­ra­tio­na­len Wil­len des Sou­ve­räns abge­lei­tet wer­den kön­nen. Es war sein erklär­tes Ziel, die Rechts­ge­set­ze in Bezie­hung zu außer­recht­li­chen Tat­sa­chen zu brin­gen. Er sah das Recht durch objek­ti­ve Ursa­chen deter­mi­niert, und zwar ent­we­der durch ande­re Sozi­al­phä­no­me­ne (Regie­rungs­form, Reli­gi­on, Han­del, Sit­ten und Gebräu­che), oder durch demo­gra­phi­sche Daten oder auch durch rein phy­si­ka­li­sche Gege­ben­hei­ten, wie die Art des Bodens oder des Kli­mas.[1] Mon­tes­quieus Kli­ma- oder Milieu­theo­rie der Geset­ze – die anti­ke Vor­läu­fer hat –, wur­de im 18. Jahr­hun­dert zunächst viel mehr dis­ku­tiert als sei­ne Gewal­ten­tei­lungs­leh­re (Mohn­haupt).

Metho­disch soll man nach Mon­tes­quieu so vor­ge­hen, dass aus der Viel­falt der Erschei­nun­gen »Prin­zi­pi­en« – heu­te wür­den wir viel­leicht sagen »Typen« – abge­lei­tet wer­den, um auf einer »mitt­le­ren Ebe­ne« (niveau inter­mé­diai­re) zwi­schen den beob­ach­te­ten Tat­sa­chen in ihrer Beson­der­heit und uni­ver­sell gül­ti­gen Aus­sa­gen in ihrer All­ge­mein­heit zu einer mög­lichst rea­lis­ti­schen Schil­de­rung der sozia­len Ver­hält­nis­se zu gelan­gen. Mit die­ser Metho­de ana­ly­sier­te Mon­tes­quieu die ver­schie­de­nen Regie­rungs­for­men und redu­zier­te sie — natür­lich in Anleh­nung an Pla­ton und Aris­to­te­les – auf die drei rei­nen Typen der Repu­blik, der Mon­ar­chie und der Des­po­tie. Sozio­lo­gisch inter­es­sant ist dabei vor allem, auf wel­che Fak­to­ren Mon­tes­quieu die Aus­bil­dung der jewei­li­gen Regie­rungs­form zurück­führ­te. Zunächst steht jede Regie­rungs­form in »natür­li­cher Über­ein­stim­mung« (con­cord­ance natu­rel­le) mit der Grö­ße des Ter­ri­to­ri­ums und der Bevöl­ke­rungs­zahl. Mon­tes­quieu mein­te, eine Repu­blik sei nur denk­bar auf einem klei­nen Ter­ri­to­ri­um mit rela­tiv gerin­ger, aber dich­ter Bevöl­ke­rung. Beson­ders gro­ße Gebie­te bil­de­ten dage­gen einen Nähr­bo­den der Des­po­tie. Für mitt­le­re Ter­ri­to­ri­en eig­ne sich am bes­ten die Mon­ar­chie.

Ange­sichts moder­ner Trans­port- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­ni­ken ist heu­te die Ein­woh­ner­zahl für die »Grö­ße« eines Staa­tes wich­ti­ger gewor­den als die räum­li­che Aus­deh­nung. Welt­weit ist die Zahl klei­ner Län­der seit der Deko­lo­ni­sa­ti­on und der Auf­lö­sung des Ost­blocks gewach­sen. 1971 hat­te die UNO 132 Mit­glieds­staa­ten, 1990 waren es 159 und 2009 sind es 192, dar­un­ter so klei­ne Staa­ten wie Palau (20.000 EW), Kiri­ba­ti (108.000 EW), und Ton­ga (119.000 EW) oder Est­land (1.342.000 EW), Lett­land (2.270.894), Litau­en (3,35 Mio. EW) und Mon­te­ne­gro (620.000 EW). Kleins­ter unab­hän­gi­ger Staat der Welt ist Nau­ru mit 21,3 qkm und 13.500 Ein­woh­nern, größ­ter die Volks­re­pu­blik Chi­na mit 9.597.995 qkm (inkl. Tai­wan, Hong­kong und Macau) und 1,3 Mil­li­ar­den Ein­woh­nern. Das Völ­ker­recht garan­tiert allen Staa­ten unab­hän­gig von ihrer Grö­ße gleich­be­rech­tig­te Sou­ve­rä­ni­tät und damit vor allem Schutz vor äuße­rer Ein­mi­schung. In der EU haben 18 von 25 Län­dern weni­ger als 12 Mil­lio­nen Ein­woh­ner und sind damit rela­tiv klein. Luxem­burg hat nur483.800EW, Mal­ta 410.000.

Wei­ter­hin hängt der »Geist der Geset­ze« von den tra­di­tio­nell gewach­se­nen sozia­len Insti­tu­tio­nen ab. Hier­zu gehö­ren die Reli­gi­on, die Kon­ti­nui­tät einer bestimm­ten Tra­di­ti­on, das Eigen­tum und his­to­risch gewach­se­ne Übun­gen im Sin­ne des Gewohn­heits­rechts, denn »die Sit­ten und Lebens­wei­sen (maniè­res) sind Gewohn­hei­ten, die gar nicht von den Geset­zen errich­tet wer­den … Es gibt die­sen Unter­schied zwi­schen den Geset­zen und den Sit­ten, in dem die Geset­ze eher die Hand­lun­gen des Staats­bür­gers (citoy­en) und die Sit­ten eher die Hand­lun­gen des Men­schen regu­lie­ren«.

Der »Geist der Geset­ze« muss aber auch durch den Inhalt natür­li­cher Umwelt­fak­to­ren erklärt wer­den. Hier­zu gehö­ren vor allem die kli­ma­ti­schen Ver­hält­nis­se, die nach Mon­tes­quieu Tem­pe­ra­ment, Faul­heit oder Fleiß der Men­schen bedin­gen, die Beschaf­fen­heit des Bodens, von der das Volu­men der Bevöl­ke­rung abhängt, oder die ver­kehrs­geo­gra­phi­sche Lage, die die Art und Inten­si­tät des Han­dels und der Tausch­ver­hält­nis­se bedingt. Archai­sche Gesell­schaf­ten unter­schei­den sich von zivi­li­sier­ten vor allem dadurch, dass sie sich stär­ker den natür­li­chen und mate­ri­el­len Fak­to­ren anpas­sen müs­sen. In den zivi­li­sier­ten Gesell­schaf­ten hin­ge­gen sind die Men­schen weni­ger der »Wir­kung phy­si­scher Ursa­chen unter­wor­fen«. Hier haben mora­li­sche Ursa­chen grö­ße­ren Ein­fluss.

Mit sei­ner Theo­rie von der Rele­vanz der kli­ma­ti­schen Ver­hält­nis­se für den Inhalt der Geset­ze hat Mon­tes­quieu sich vie­le Angrif­fe zuge­zo­gen. Man warf ihm vor, dass er damit das Recht zu einem Pro­dukt des Wal­tens blin­der Mäch­te degra­diert habe. Aus heu­ti­ger Sicht bleibt jedoch inter­es­sant nicht nur, dass wir spä­tes­tens seit Marx über­zeugt sind, dass ein gewis­ser Mate­ria­lis­mus zur Erklä­rung des Rechts uner­läss­lich ist, son­dern auch, dass sich empi­risch gehalt­vol­le Kau­sal­theo­ri­en nicht nur bestä­ti­gen oder fal­si­fi­zie­ren las­sen, son­dern dass sol­che Theo­ri­en auch ihrer­seits noch ein­mal wie­der sozio­lo­gisch hin­ter­fragt wer­den kön­nen: Mit der kli­ma­ti­schen Bedingt­heit des Rechts hat man im 18. Jahr­hun­dert auch poli­tisch argu­men­tiert, und zwar um zu zei­gen, wie sehr das römi­sche Recht für Deutsch­land unan­ge­mes­sen sei.

III.             Auguste Comte

Lite­ra­tur: Comte, Cours de Phi­lo­so­phie Posi­ti­ve, 6 Bde. 1830; ders., Plan der wis­sen­schaft­li­chen Arbei­ten, die für eine Reform der Gesell­schaft not­wen­dig sind, (1822) dt. 1973.

Obwohl bei älte­ren Phi­lo­so­phen und Juris­ten vie­le Fra­gen und man­che Ant­wor­ten zu fin­den sind, die sich als rechts­so­zio­lo­gisch qua­li­fi­zie­ren las­sen, wird Rechts­so­zio­lo­gie doch erst zur Wis­sen­schaft, wo sol­che Über­le­gun­gen nicht mehr nur bei­läu­fig ein­flie­ßen, son­dern zum zen­tra­len For­schungs­ge­gen­stand wer­den. Es hät­te wenig Sinn, den Beginn der Rechts­so­zio­lo­gie zu einem Zeit­punkt anzu­set­zen, an dem noch gar kei­ne all­ge­mei­ne Sozio­lo­gie exis­tier­te.

Den Beginn der Sozio­lo­gie als Wis­sen­schaft datiert man heu­te auf die Mit­te des 19. Jahr­hun­derts. Er ist eng ver­bun­den mit dem Werk von Augus­te Comte (1798−1857). Comte gilt nicht nur als der Vater der Sozio­lo­gie, son­dern auch als Begrün­der des phi­lo­so­phi­schen Posi­ti­vis­mus. Sein ers­tes gro­ßes Werk, das in sechs Bän­den zwi­schen 1830 und 1842 erschien, hieß in der Tat »Cours de Phi­lo­so­phie Posi­ti­ve«. Das Wort »posi­tiv« wur­de von Comte gleich­be­deu­tend mit »wis­sen­schaft­lich« gebraucht. Dar­un­ter ver­stand er einen Wis­sens­er­werb mit Hil­fe von Theo­ri­en und empi­ri­schen Beob­ach­tun­gen, ganz nach dem Vor­bild der Natur­wis­sen­schaf­ten.

Der Auf­bruch der Sozio­lo­gie im 19. Jahr­hun­dert bei Comte, Marx und vie­len ande­ren steht im engen Zusam­men­hang mit der gemein­sa­men Grund­er­fah­rung vie­ler Men­schen jener Zeit, dass man gesell­schaft­li­che Wand­lun­gen nicht ein­fach aus den Absich­ten und Maß­nah­men ein­zel­ner Men­schen, zumal ein­zel­ner Fürs­ten oder Gene­rä­le, erklä­ren kön­ne. Man sah sich daher vor der Auf­ga­be, ein Denk­in­stru­ment zu ent­wi­ckeln, mit dem es mög­lich wur­de, einen Gesche­hens­zu­sam­men­hang, der all­mäh­lich immer kla­rer als rela­tiv unper­sön­lich erkenn­bar wur­de, auch theo­re­tisch als sol­chen zu erfas­sen. Im 19. Jahr­hun­dert kam es zunächst dar­auf an, die­sen Zusam­men­hang, der heu­te »Gesell­schaft« heißt, von der Natur im Sin­ne der Natur­wis­sen­schaf­ten zu unter­schei­den und für sei­ne wis­sen­schaft­li­che Erfor­schung eige­ne Begrif­fe und Tech­ni­ken zu erfin­den. Comte präg­te den neu­en Namen Sozio­lo­gie, weil er erkann­te, dass die Wis­sen­schaft von der Gesell­schaft eine neue Art von Wis­sen­schaft ist, nicht bloß eine Fort­set­zung von Phy­sik oder Bio­lo­gie. Er bestimm­te die Sozio­lo­gie als eine Wis­sen­schaft, die sich auf das posi­ti­ve Stu­di­um der sämt­li­chen, den sozia­len Erschei­nen zugrun­de lie­gen­den Geset­ze bezieht.

Zur Rechts­so­zio­lo­gie hat Comte wenig bei­ge­tra­gen. Man kann wohl sagen, dass die Sozio­lo­gie im All­ge­mei­nen und Com­tes im Beson­de­ren aus einer rechts­feind­li­chen Hal­tung her­aus ent­stan­den ist. Ganz grob kann man sich Com­tes Leh­re als einen auf die mensch­li­che Gesell­schaft über­tra­ge­nen Dar­wi­nis­mus, also als Evo­lu­ti­ons­theo­rie, vor­stel­len. Eine sei­ner Haupt­ide­en war die, dass sich die Geschich­te in drei Sta­di­en voll­zo­gen hat, die er das theo­lo­gi­sche, das meta­phy­si­sche und das posi­ti­ve Sta­di­um nann­te. Im ers­ten Sta­di­um ließ sich der Mensch von reli­giö­sen Täu­schun­gen lei­ten. Im zwei­ten, dem Mit­tel­al­ter der Mensch­heit, waren die­se Täu­schun­gen schon säku­la­ri­siert in der Gestalt von Phi­lo­so­phie und Juris­pru­denz. Das drit­te, das posi­ti­ve Zeit­al­ter, hat­te zu sei­ner Zeit eben begon­nen, und Comte erwar­te­te von ihm, dass es all­ge­mei­ne Auf­klä­rung und Frei­heit von Illu­sio­nen mit sich brin­gen wür­de. Er sprach vom meta­phy­si­schen Zeit­al­ter (Mit­tel­al­ter) als dem Zeit­al­ter der Juris­ten. Unter dem Ein­fluss der his­to­ri­schen Rechts­schu­le sah er die Gesetz­ge­bung als einen zum Schei­tern ver­ur­teil­ten Ver­such an, die orga­nisch sich ent­wi­ckeln­de Gesell­schaft in ihrer Ent­fal­tung auf­zu­hal­ten oder zu ändern. Er iden­ti­fi­zier­te Recht mit Gesetz und pro­phe­zei­te das all­mäh­li­che Ver­schwin­den des Rechts.

IV.              Karl Marx und Friedrich Engels

Schrif­ten: Marx/Engels, Die deut­sche Ideo­lo­gie, 184546; dies., Mani­fest der kom­mu­nis­ti­schen Par­tei, 1848; Marx, Zur Kri­tik der poli­ti­schen Öko­no­mie, 1859; ders., Kri­tik des Gotha­er Pro­gramms, 1875; Engels, Die Ent­wick­lung des Sozia­lis­mus von der Uto­pie zur Wis­sen­schaft, 1877; ders., Der Ursprung der Fami­lie, des Pri­vat­ei­gen­tums und des Staats, 1884; ders., Das Begräb­nis von Karl Marx, 1883, sämt­lich in: Marx/Engels, Aus­ge­wähl­te Schrif­ten, 2 Bde., 1970; Marx, Das Kapi­tal, Bd. 1, 1867, Bd. 2, 1885, Bd. 3, 1894

Lite­ra­tur: David Bal­bus, Com­mo­di­ty Form and Legal Form: An Essay on the »Rela­ti­ve Auto­no­my« of the Law, LSR 11, 1977, 571–588; Mau­re­en Cain/Alan Hunt, Marx and Engels on Law, Aca­de­mic Press, Lon­don 1979; Hugh Col­lins, Mar­xism and Law, Cla­ren­don Press, Oxford, 1982; Rlf Hos­feld, Die Geis­ter, die er rief (Bio­gra­fie), 2009; Hans Kel­sen, Sozia­lis­mus und Staat. Eine Unter­su­chung der poli­ti­schen Theo­rie des Mar­xis­mus, 3. Aufl. 1965 [1922]; Her­mann Klen­ner, Was bleibt von der mar­xis­ti­schen Rechts­theo­rie?, ARSP Bei­heft 50, 1992, 11 ff.; Les­zek Kola­kow­ski, Die Haupt­strö­mun­gen des Mar­xis­mus, 1976; 3. Aufl. 1988; .Andrea Mai­ho­fer, Das Recht bei Marx, 1992; Wolf Paul, Die mar­xis­ti­sche Rechts­theo­rie, Rechts­theo­rie 2, 1971, 175–223; Reich (Hg.), Mar­xis­ti­sche und sozia­lis­ti­sche Rechts­theo­rie, 1972; Eugen Paschu­ka­nis, All­ge­mei­ne Rechts­leh­re und Mar­xis­mus 1924 (dt. 1929); Colin Sim­ner, Rea­ding Ideo­lo­gies: An Inves­ti­ga­ti­on into the Mar­xist Theo­ry of Ideo­lo­gy and Law, Aca­de­mic Press, New York, 1979

Ein Über­blick über die mar­xis­ti­sche Rechts­theo­rie im 20. Jahr­hun­dert bei Son­ja Buckel, Sub­jek­ti­vie­rung und Kohä­si­on. Zur Rekon­struk­ti­on einer mate­ria­lis­ti­schen Theo­rie des Rechts, 2007, S. 75–210.

Wis­sen­schafts­ge­schicht­lich wird man Karl Marx (1818−1883) und mit ihm sei­nen Freund und Weg­ge­fähr­ten Fried­rich Engels (1820−1895) als die wich­tigs­ten Vor­läu­fer der Rechts­so­zio­lo­gie ein­zu­ord­nen haben. Doch Mar­xis­mus ist mehr als das. Er bot bis zum Nie­der­gang des kom­mu­nis­ti­schen Welt­sys­tems eine anschei­nend pri­vi­le­gier­te Gedan­ken­welt zur kri­ti­schen Ana­ly­se der Gesell­schaft. Als Schlüs­sel­be­grif­fe dien­ten (his­to­ri­scher) Mate­ria­lis­mus, Klas­sen­kampf, Ideo­lo­gie und Ent­frem­dung.

Als mate­ria­lis­tisch bezeich­net man oft die indi­vi­du­el­le oder kol­lek­ti­ve Ein­stel­lung, die mate­ri­el­le Wer­te (Geld, Besitz, Kon­sum) zum Lebens­ziel oder Inhalt hat. (His­to­ri­scher) Mate­ria­lis­mus im mar­xis­ti­schen Sin­ne hat mit sol­chem Mora­l­er­satz nichts zu tun. Viel­mehr geht es um die The­se, dass alle Wer­te, alle Kul­tur und alle sozia­len Bezie­hun­gen nicht aus Ide­en und Gedan­ken, son­dern nur aus einer mate­ri­el­len Basis erklärt wer­den kön­nen.

Marx kam in sei­ner Aus­ein­an­der­set­zung mit der Rechts­phi­lo­so­phie Hegels zu dem Schluss, dass die fort­schrei­ten­de Arbeits­tei­lung den ursprüng­li­chen Zusam­men­hang von Den­ken und Han­deln zer­ris­sen und zu einem ideo­lo­gi­schen Über­bau aus Recht, Reli­gi­on und Phi­lo­so­phie geführt habe, der, von den mate­ri­el­len Pro­duk­ti­ons­ver­hält­nis­sen abge­löst, nur noch die jeweils herr­schen­de Klas­se legi­ti­mie­re. Das Recht, das die­se Klas­se set­ze und anwen­de, die­ne ihr immer als Instru­ment der Herr­schaft, indem es ihre par­ti­ku­la­ren Absich­ten und Inter­es­sen ideo­lo­gisch als all­ge­mein­ver­bind­lich aus­ge­be. Im Recht sieht Marx einen wesent­li­chen Bestand­teil der bür­ger­li­chen Gesell­schaft. Es sei eine Illu­si­on, dass das Gesetz auf dem »von sei­ner rea­len Basis los­ge­ris­se­nen, dem frei­en Wil­len beru­he«. Viel­mehr sei das Recht wei­ter nichts »als die Orga­ni­sa­ti­on, wel­che sich die Bour­geoi­sie sowohl nach außen als nach innen, zur gegen­sei­ti­gen Garan­tie ihres Eigen­tums und ihrer Inter­es­sen not­wen­dig« gebe.

Die mar­xis­ti­sche Rechts­theo­rie grün­det auf der Leh­re von Basis und Über­bau, die ihrer­seits einen Kern­be­stand­teil des his­to­ri­schen Mate­ria­lis­mus bil­det. Im Vor­wort zur »Poli­ti­schen Öko­no­mie« weist Marx dem Recht jene Stel­le im sog. Über­bau zu, die den Aus­gangs­punkt der mar­xis­ti­schen Rechts­theo­rie bil­det:

»In der gesell­schaft­li­chen Pro­duk­ti­on ihres Lebens gehen die Men­schen bestimm­te, not­wen­di­ge, von ihrem Wil­len unab­hän­gi­ge Ver­hält­nis­se ein, Pro­duk­ti­ons­ver­hält­nis­se, die einer bestimm­ten Ent­wick­lungs­stu­fe ihrer mate­ri­el­len Pro­duk­tiv­kräf­te ent­spre­chen. Die Gesamt­heit die­ser Pro­duk­ti­ons­ver­hält­nis­se bil­det die öko­no­mi­sche Struk­tur der Gesell­schaft, die rea­le Basis, wor­auf sich ein juris­ti­scher und poli­ti­scher Über­bau erhebt, und wel­cher bestimm­te gesell­schaft­li­che Bewusst­seins­for­men ent­spre­chen. Die Pro­duk­ti­ons­wei­se des mate­ri­el­len Lebens bedingt den sozia­len, poli­ti­schen und geis­ti­gen Lebens­pro­zess über­haupt. Es ist nicht das Bewusst­sein der Men­schen, das ihr Sein, son­dern umge­kehrt ihr gesell­schaft­li­ches Sein, das ihr Bewusst­sein bestimmt. Auf einer gewis­sen Stu­fe ihrer Ent­wick­lung gera­ten die mate­ri­el­len Pro­duk­tiv­kräf­te der Gesell­schaft in Wider­spruch mit den vor­han­de­nen Pro­duk­ti­ons­ver­hält­nis­sen, inner­halb deren sie sich bis­her bewegt hat­ten. Aus Ent­wick­lungs­for­men der Pro­duk­tiv­kräf­te schla­gen die­se Ver­hält­nis­se in Fes­seln der­sel­ben um. Es tritt dann eine Epo­che sozia­ler Revo­lu­ti­on ein. Mit der Ver­än­de­rung der öko­no­mi­schen Grund­la­ge wälzt sich der gan­ze unge­heu­re Über­bau lang­sa­mer oder rascher um. In der Betrach­tung sol­cher Umwäl­zun­gen muss man stets unter­schei­den zwi­schen der mate­ri­el­len, natur­wis­sen­schaft­lich treu zu kon­sta­tie­ren­den Umwäl­zung in den öko­no­mi­schen Pro­duk­ti­ons­be­din­gun­gen und den juris­ti­schen, poli­ti­schen, reli­giö­sen, künst­le­ri­schen oder phi­lo­so­phi­schen, kurz ideo­lo­gi­schen For­men, wor­in sich die Men­schen die­ses Kon­flikts bewusst wer­den und ihn aus­fech­ten. So wenig man das, was ein Indi­vi­du­um ist, nach dem beur­teilt, was es sich selbst dünkt, eben­so wenig kann man eine sol­che Umwäl­zungs­epo­che aus ihrem Bewusst­sein beur­tei­len, son­dern muss viel­mehr dies Bewusst­sein aus den Wider­sprü­chen des mate­ri­el­len Lebens, aus dem vor­han­de­nen Kon­flikt zwi­schen gesell­schaft­li­chen Pro­duk­tiv­kräf­ten und Pro­duk­ti­ons­ver­hält­nis­sen erklä­ren.«

Die Geschich­te wird also vor­an­ge­trie­ben durch den Wider­spruch zwi­schen der Ent­wick­lung der Pro­duk­tiv­kräf­te, der leben­di­gen Kräf­te des Men­schen, die etwas Neu­es schaf­fen wol­len, und der Pro­duk­ti­ons­ver­hält­nis­se, d. h. der öko­no­mi­schen Ver­hält­nis­se, in denen die Pro­duk­ti­on statt­fin­det. Die­se Gege­ben­hei­ten, die den sozia­len Unter­bau bil­den, deter­mi­nie­ren die Ideo­lo­gi­en, wel­che den Über­bau aus­ma­chen. Zum Über­bau gehö­ren frag­los das Bewusst­sein der Men­schen, ihre Deu­tun­gen und Wer­tun­gen. Unklar ist jedoch – dar­auf hat Kel­sen hin­ge­wie­sen – wie­weit die sozia­len Insti­tu­tio­nen, ins­be­son­de­re Recht und Staat, zu den deter­mi­nie­ren­den Pro­duk­ti­ons­ver­hält­nis­sen oder zum deter­mi­nier­ten Über­bau zäh­len. Rech­net man nicht nur ihre Wider­spie­ge­lung im Bewusst­sein, son­dern auch die sozia­len Insti­tu­tio­nen als sol­che zum Über­bau und nimmt man dann die Leh­re vom Klas­sen­kampf und vom Abster­ben des Staa­tes hin­zu, so ver­fügt der Mar­xis­mus über eine rechts­so­zio­lo­gi­sche Groß­theo­rie, die ihres­glei­chen sucht.

Durch die Leh­re vom Klas­sen­kampf bekommt der abs­trak­te Ansatz des his­to­ri­schen Mate­ria­lis­mus einen kon­kre­ten Inhalt: Die geschicht­li­che Ent­wick­lung wird ent­schei­dend nur von der dia­lek­ti­schen Fort­ent­wick­lung der Pro­duk­tiv­kräf­te und der Pro­duk­ti­ons­ver­hält­nis­se bestimmt, die sich bekannt­lich in sie­ben Stu­fen voll­zieht: von vor­staat­li­chen Gesell­schaft ohne Klas­sen­ge­gen­sät­ze über den Skla­ven­hal­ter­staat, den Feu­dal­staat, den kapi­ta­lis­ti­schen Staat sowie die Stu­fen des Über­gangs vom Kapi­ta­lis­mus zum Sozia­lis­mus und vom Sozia­lis­mus zum Kom­mu­nis­mus bis hin zur kom­mu­nis­ti­schen Gesell­schaft ohne Klas­sen­ge­gen­sät­ze.

Wenn das Recht auf einem homo­ge­nen Unter­bau ruh­te, wäre sei­ne Ent­wick­lung har­mo­nisch. Das Recht könn­te die von opti­mis­ti­schen Rechts­phi­lo­so­phen beschrie­be­ne fried­li­che Ord­nung der Gesell­schaft bil­den. Aber der Unter­bau ist durch Klas­sen­kämp­fe ent­zweit und die­se Kämp­fe spie­geln sich im Recht wider. Das Recht drückt nur die Inter­es­sen und den Wil­len der herr­schen­den Klas­sen und kei­nes­wegs der gesam­ten Gesell­schaft aus. So heißt es im kom­mu­nis­ti­schen Mani­fest:

»Euer Recht ist nur der zum Gesetz erho­be­ne Wil­le eurer Klas­se, des­sen Inhalt von den mate­ri­el­len Bedin­gun­gen eurer Klas­sen­exis­tenz abhängt.«

Der gan­ze Über­bau ein­schließ­lich Reli­gi­on, Phi­lo­so­phie und Recht sind wesent­lich fal­sches Bewusst­sein oder Ideo­lo­gie.

»Die Gedan­ken der herr­schen­den Klas­se sind in jeder Epo­che die herr­schen­den Gedan­ken, d.h. die Klas­se, wel­che die herr­schen­de mate­ri­el­le Macht der Gesell­schaft ist, ist zugleich ihre herr­schen­de geis­ti­ge Macht. Die Klas­se, die die Mit­tel zur mate­ri­el­len Pro­duk­ti­on zu ihrer Ver­fü­gung hat, dis­po­niert damit zugleich über die Mit­tel zur geis­ti­gen Pro­duk­ti­on, so dass ihr damit zugleich im Durch­schnitt die Gedan­ken derer, denen die Mit­tel zur geis­ti­gen Pro­duk­ti­on abge­hen, unter­wor­fen sind. Die herr­schen­den Gedan­ken sind wei­ter Nichts als der ide­el­le Aus­druck der herr­schen­den mate­ri­el­len Ver­hält­nis­se, die als Gedan­ken gefaß­ten herr­schen­den mate­ri­el­len Ver­hält­nis­se; also der Ver­hält­nis­se, die eben die eine Klas­se zur herr­schen­den machen, also die Gedan­ken ihrer Herr­schaft. Die Indi­vi­du­en, wel­che die herr­schen­de Klas­se aus­ma­chen, haben unter Anderm auch Bewußt­sein und den­ken daher; inso­fern sie also als Klas­se herr­schen und den gan­zen Umfang einer Geschichts­epo­che bestim­men, ver­steht es sich von selbst, dass sie dies in ihrer gan­zen Aus­deh­nung tun, also unter Andern auch als Den­ken­de, als Pro­du­zen­ten von Gedan­ken herr­schen, die Pro­duk­ti­on und Dis­tri­bu­ti­on der Gedan­ken ihrer Zeit regeln; dass also ihre Gedan­ken die herr­schen­den Gedan­ken der Epo­che sind. Zu einer Zeit z.B. und in einem Lan­de, wo könig­li­che Macht, Aris­to­kra­tie und Bour­geoi­sie sich um die Herr­schaft strei­ten, wo also die Herr­schaft geteilt ist, zeigt sich als herr­schen­der Gedan­ke die Dok­trin von der Tei­lung der Gewal­ten, die nun als ein ›ewi­ges Gesetz‹ aus­ge­spro­chen wird.« (Die Deut­sche Ideo­lo­gie, MEW Bd. 3, 46)

Nach die­ser Theo­rie gestal­tet und pro­pa­giert die herr­schen­de Klas­se Ide­en­sys­te­me, (an die sie selbst glaubt) die den eige­nen Sta­tus recht­fer­ti­gen und die es für die beherrsch­te Klas­se schwie­rig, wenn nicht unmög­lich machen, ihre Situa­ti­on zu durch­schau­en. Bis heu­te ist die Idee, dass die Mas­sen als Bür­ger oder Ver­brau­cher »mani­pu­liert« wer­den, in der kri­ti­schen Kul­tur­ana­ly­se leben­dig. Die­ser Ideo­lo­gie­be­griff setzt vor­aus, dass es ein rich­ti­ges, unver­stell­tes Bewusst­sein gibt. Und in der Tat waren Marx und Engels der Ansicht, dass sie selbst mit der Ein­sicht in den Klas­sen­cha­rak­ter der Gesell­schaft die Ideo­lo­gie hin­ter sich gelas­sen hät­ten.

Ein ande­re The­se, mit der der Mar­xis­mus immer wie­der die Gesell­schafts­kri­tik inspi­riert, ist die­je­ni­ge von der Ent­frem­dung. In kapi­ta­lis­ti­schen Pro­duk­ti­ons­ver­hält­nis­sen, so die The­se, fehlt den Men­schen die inne­re Ver­bin­dung zu ihrer Arbeit und damit auch zu ande­ren Men­schen. Arbeit ist eben nur gekauf­te Lohn­ar­beit ohne inne­re Betei­li­gung.

Zurück zum Recht: In bür­ger­li­chen Gesell­schaf­ten ist das Recht also nach mar­xis­ti­scher Ana­ly­se die blo­ße Pro­jek­ti­on der kapi­ta­lis­ti­schen Herr­schaft. Dage­gen wird es das Instru­ment für die Dik­ta­tur des Pro­le­ta­ri­ats, sobald die­ses auf revo­lu­tio­nä­rem Wege die Macht erringt. Aber dabei han­delt es sich nur um die Über­gangs­pha­se, und man könn­te mei­nen, dass das Ver­schwin­den der sozia­len Klas­sen in einer mit sich selbst ver­söhn­ten Mensch­heit mit dem Erschei­nen eines Rechts ein­her­geht, das end­lich der Aus­druck des all­ge­mei­nen Inter­es­ses ist. Doch an die­ser Stel­le greift die drit­te The­se ein, die Leh­re vom Abster­ben des Staa­tes, wie sie Fried­rich Engels im soge­nann­ten »Anti-Düh­ring« for­mu­liert hat:

»Das Pro­le­ta­ri­at ergreift die Staats­ge­walt und ver­wan­delt die Pro­duk­ti­ons­mit­tel zunächst in Staats­ei­gen­tum. Aber damit hebt es sich als Pro­le­ta­ri­at, und damit hebt es alle Klas­sen­un­ter­schie­de und Klas­sen­ge­gen­sät­ze auf und damit auch den Staat als Staat … Das Ein­grei­fen einer Staats­ge­walt in gesell­schaft­li­che Ver­hält­nis­se wird auf einem Gebie­te nach dem ande­ren über­flüs­sig und schläft damit von selbst ein. An die Stel­le der Regie­rung über Per­so­nen tritt die Ver­wal­tung von Sachen und die Lei­tung von Pro­duk­ti­ons­pro­zes­sen. Der Staat wird nicht abge­schafft, er stirbt ab.«

Die voll ent­wi­ckel­te kom­mu­nis­ti­sche Gesell­schaft der Zukunft braucht kei­nen Staat mehr. Die Herr­schaft von Men­schen über Men­schen wird ersetzt durch die Herr­schaft über Sachen. Die Voll­endung des Kom­mu­nis­mus bedeu­tet somit ein all­mäh­li­ches Unter­ge­hen der Auto­ri­tät. Das Ide­al ist jedoch nicht Anar­chie, son­dern eine Ord­nung, die sich im Grenz­fall allein durch die Macht der Ver­nunft ver­wirk­licht. Es han­delt sich hier­bei um eine Ord­nung ohne Zwang und ohne Unter­schei­dung zwi­schen Nor­mer­zwin­gungs­stab und Norm­un­ter­wor­fe­nen, was mit ande­ren Wor­ten bedeu­tet, dass die­se Ord­nung nicht mehr auf Recht gegrün­det ist, dass also das Abster­ben des Staa­tes die Auf­lö­sung des Rechts mit sich bringt.

Am Mar­xis­mus schei­den sich auch heu­te noch die Geis­ter. Das Pro­blem besteht dar­in, dass es den Mar­xis­mus gar nicht gibt. Stets han­delt es sich um Inter­pre­ta­tio­nen der von Marx und Engels gelie­fer­ten Begrif­fe und Theo­rie­bau­stei­ne. Eine Schlüs­sel­rol­le spielt dabei die Fra­ge, wie man den Zusam­men­hang zwi­schen Basis und Über­bau ver­steht. Die Bezie­hun­gen zwi­schen Basis und Über­bau schei­nen zunächst ganz ein­sei­tig kon­zi­piert zu sein: Eine Wir­kung ver­läuft allein von der öko­no­mi­schen Basis zum ideo­lo­gi­schen Über­bau und nicht umge­kehrt. Das Bewusst­sein bil­det eine blo­ße Wider­spie­ge­lung der Pro­duk­ti­ons­wei­se. Das Bewusst­sein der Men­schen, ihr Den­ken, Füh­len, Wer­ten und Ent­schei­den hat auf den Gang der Geschich­te kei­nen Ein­fluss, denn es ist nicht das Bewusst­sein der Men­schen, das ihr Sein, son­dern umge­kehrt ihr gesell­schaft­li­ches Sein, das ihr Bewusst­sein bestimmt. Das Bewusst­sein bil­det also nur den ideo­lo­gi­schen Über­bau, der der öko­no­mi­schen Basis zwangs­läu­fig nach­folgt. Recht und Staat als Bestand­teil des Über­baus sind ledig­lich der ideo­lo­gi­sche Reflex der Basis. Sie tra­gen des­halb im Klas­sen­staat not­wen­dig Klas­sen­cha­rak­ter. Unter dem Kapi­ta­lis­mus sichern und ver­schlei­ern sie die Aus­beu­tung der Klas­se der Werk­tä­ti­gen durch die herr­schen­de Klas­se der Kapi­ta­lis­ten. In der Peri­ode des Sozia­lis­mus sichern sie umge­kehrt die Dik­ta­tur des Pro­le­ta­ri­ats. Die­ser streng deter­mi­nis­ti­schen Deu­tung (die man als Vul­gär­mar­xis­mus bezeich­net) hat jedoch schon Engels wider­spro­chen:[2]

»Nach mate­ria­lis­ti­scher Geschichts­auf­fas­sung ist das in letz­ter Instanz bestim­men­de Moment in der Geschich­te die Pro­duk­ti­on und Repro­duk­ti­on des wirk­li­chen Lebens. Mehr hat weder Marx noch ich je behaup­tet. Wenn nun jemand das dahin ver­dreht, das öko­no­mi­sche Moment sei das ein­zig bestim­men­de, so ver­wan­delt er jenen Satz in eine nichts­sa­gen­de, abs­trak­te, absur­de Phra­se. Die öko­no­mi­sche Lage ist die Basis, aber die ver­schie­de­nen Momen­te des Über­baus – poli­ti­sche For­men des Klas­sen­kamp­fes und sei­ne Resul­ta­te – Ver­fas­sun­gen, nach gewon­ne­ner Schlacht durch die sie­gen­de Klas­se fest­ge­stellt usw. – Rechts­for­men und nun gar die Refle­xe aller die­ser wirk­li­chen Kämp­fe im Gehirn der Betei­lig­ten, poli­ti­sche, juris­ti­sche, phi­lo­so­phi­sche Theo­ri­en, reli­giö­se Anschau­un­gen und deren Wei­ter­ent­wick­lung zu Dog­men­sys­te­men üben auch ihre Ein­wir­kung auf den Ver­lauf der geschicht­li­chen Kämp­fe aus und bestim­men in vie­len Fäl­len deren Form. Es ist eine Wech­sel­wir­kung aller die­ser Momen­te, wor­in schließ­lich durch alle die unend­li­che Men­ge von Zufäl­lig­kei­ten (d.h. von Din­gen und Ereig­nis­sen, deren inne­rer Zusam­men­hang unter­ein­an­der so ent­fernt und so unnach­weis­bar ist, dass wir ihn als nicht vor­han­den betrach­ten, ver­nach­läs­si­gen kön­nen) als Not­wen­di­ges die öko­no­mi­sche Bewe­gung sich durch­setzt.«

Wo man die Vor­stel­lung einer Wech­sel­wir­kung zwi­schen Basis und Über­bau und damit zwi­schen Recht und Wirk­lich­keit ernst nimmt, öff­net sich auch der Mar­xis­mus für empi­ri­sche For­schung.

Der Mar­xis­mus hat auf die Rechts­so­zio­lo­gie einen schwer zu über­schät­zen­den Ein­fluss gehabt. Mit dem Ver­fall des »real exis­tie­ren­den Sozia­lis­mus« hat er sei­ne Bedeu­tung als sozio­lo­gi­sche Theo­rie ver­lo­ren. Aber er ist nicht ver­ges­sen. Nie­mand kann hin­ter Marx zurück. In gewis­ser Wei­se sind heu­te alle Mar­xis­ten.

V.                 Maine: Vom Statusrecht zum Kontraktrecht

Schrif­ten: Mai­ne, Anci­ent Law. Its Con­nec­tion with the Ear­ly Histo­ry of Socie­ty and ist Rela­ti­on to Modern Ide­as, jüngs­ter Nach­druck 2002 [1861], deutsch: Das alte Recht: sein Zusam­men­hang mit der Früh­ge­schich­te der Gesell­schaft und sein Ver­hält­nis zu moder­nen Ide­en, 1997.

Lite­ra­tur: Geor­ge Fea­ver, From Sta­tus to Con­tract: A Bio­gra­phy of Sir Hen­ry Mai­ne 1822–1888, Lon­don, Long­mans 1969; Man­fred Reh­bin­der, Wand­lun­gen der Rechts­struk­tur im Sozi­al­staat, KZfSS Son­der­heft 111967, 197 ff.; Max Weber, Rechts­so­zio­lo­gie, 2. Aufl. 1967 [1921]

1861 for­mu­lier­te der eng­li­sche Rechts­his­to­ri­ker Hen­ry Sum­ner Mai­ne (1822−1888) die The­se, dass sich das Recht vom Alter­tum zur Neu­zeit von Sta­tus zu Kon­trakt, also von einem Sta­tus­recht zum Ver­trags­recht, ent­wi­ckelt habe. Der Sozio­lo­ge Fer­di­nand Tön­nies hat den zen­tra­len Text in sei­nem 1887 erst­mals erschie­ne­nen Buch »Gemein­schaft und Gesell­schaft«, das sei­ner­seits eine sozio­lo­gi­sche Ent­wick­lungs­theo­rie anbie­tet (§ 39, 4), wie folgt über­setzt:

»Die Bewe­gung der pro­gres­si­ven Gesell­schaf­ten ist in einer Hin­sicht gleich­för­mig gewe­sen. In ihrem gan­zen Ver­lauf wird sie bezeich­net durch die stu­fen­wei­se Auf­lö­sung des Fami­li­en­zu­sam­men­han­ges und das Wachs­tum indi­vi­du­el­ler Obli­ga­ti­on an sei­ner Stel­le. Das Indi­vi­du­um wird fort­wäh­rend ein­ge­setzt für die Fami­lie, als die Ein­heit, wel­che das bür­ger­li­che Recht zugrun­de legt. Die­ser Fort­schritt hat sich voll­zo­gen in ver­schie­de­nen Ver­hält­nis­sen der Geschwin­dig­keit, und es gibt Kul­tu­ren, die nicht schlecht­hin sta­tio­när sind, in denen aber der Ver­fall der ursprüng­li­chen Orga­ni­sa­ti­on nur durch sorg­fäl­ti­ges Stu­di­um der Erschei­nun­gen, wel­che sie dar­bie­ten, ent­deckt wer­den kann … Es ist aber nicht schwer zu sehen, wel­ches das Band ist zwi­schen Men­schen und Men­schen, das all­mäh­lich jene For­men der Rezi­pro­zi­tät von Gerecht­sa­men und Ver­pflich­tun­gen ersetzt, die ihren Ursprung in der Fami­lie haben: Kein ande­rer als Kon­trakt. Wenn wir, als von einem End­punkt der Geschich­te, aus­ge­hen von einem sozia­len Zustan­de, in wel­chem alle Bezie­hun­gen der Per­so­nen in den Bezie­hun­gen der Fami­lie ver­ei­nigt sind, so schei­nen wir uns ste­tig auf eine Pha­se der sozia­len Ord­nung hin­be­wegt zu haben, wor­in alle die­se Bezie­hun­gen aus der frei­en Über­ein­stim­mung von Indi­vi­du­en ent­sprin­gen. Im west­li­chen Euro­pa ist der in die­ser Rich­tung voll­ende­te Fort­schritt beträcht­lich gewe­sen. So ist der Stand der Skla­ven ver­schwun­den – er ist ver­drängt wor­den durch die kon­trakt­li­che Bezie­hung des Dienst­bo­ten zu sei­ner Herr­schaft, des Arbei­ters zum Unter­neh­mer. Der Stand der Frau unter Vor­mund­schaft, außer­halb der ehe­li­chen Vor­mund­schaft, hat eben­falls auf­ge­hört, vor­han­den zu sein; von ihrer Alters­rei­fe bis zu ihrer Hei­rat sind alle Ver­hält­nis­se, in die sie ein­ge­hen kann, kon­trakt­li­che. So hat auch der Stand des Soh­nes unter väter­li­cher Gewalt kei­ne wirk­li­che Stel­le mehr im Rech­te moder­ner euro­päi­scher Gesell­schaf­ten. Wenn irgend­wel­che zivi­le Obli­ga­ti­on Vater und erwach­se­nes Kind ver­bin­det, so ist es eine, der nur Kon­trakt ihre gesetz­li­che Gül­tig­keit ver­leiht. Die schein­ba­ren Aus­nah­men sind Aus­nah­men von der Art, wel­che die Regel beleuch­ten … So kann nun das Wort Sta­tus schick­lich ange­wandt wer­den, um eine For­mel des Aus­drucks zu kon­stru­ie­ren für das also ange­zeig­te Gesetz des Fort­schritts, das, wie groß immer sein Wert sein möge, hin­läng­lich, so viel wie ich sehe, sicher­ge­stellt ist. Alle die For­men des Sta­tus, die im Per­so­nen­recht erwähnt wer­den, lei­ten sich her von den Gewal­ten und Vor­rech­ten, die ehe­mals in der Fami­lie ihren Sitz hat­ten, und haben in eini­gem Maße noch jetzt davon ihre Fär­bung. Wenn wir also das Wort Sta­tus, in Über­ein­stim­mung mit dem Gebrau­che der bes­ten Schrift­stel­ler, auf die Bezeich­nung ihrer per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se ein­schrän­ken, und es ver­mei­den, den Aus­druck auf Ver­hält­nis­se anzu­wen­den, die in unmit­tel­ba­rer oder ent­fern­ter Wei­se Ergeb­nis einer Über­ein­kunft sind, so kön­nen wir sagen, dass die Bewe­gung der fort­schrei­ten­den Gesell­schaf­ten bis­her gewe­sen ist: eine Bewe­gung von Sta­tus zu Con­tract.«

Das Ent­wick­lungs­ge­setz vom Sta­tus zum Kon­trakt hat­te Mai­ne ursprüng­lich für den Über­gang von archai­schen Rechts­for­men zum klas­si­schen römi­schen Recht ent­wi­ckelt. Es wur­de spä­ter von Max Weber zu einem durch­gän­gi­gen Ent­wick­lungs­prin­zip des gesam­ten Pri­vat­rechts ver­all­ge­mei­nert. Der Ver­fall der alten Sip­pen­ver­fas­sung und die Befrei­ung des ein­zel­nen von den recht­li­chen und sozia­len Fes­seln des Hau­ses im Alter­tum fan­den im 19. Jahr­hun­dert ihre Par­al­le­le im Ver­fall der Feu­dal­ver­fas­sung und der Befrei­ung des ein­zel­nen von den recht­li­chen Schran­ken sei­nes Stan­des, wie sie nach der fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on bald über­all durch Gewäh­rung einer weit­ge­hen­den Pri­vat­au­to­no­mie bewirkt wur­de. Der Über­gang vom archai­schen zum klas­si­schen Recht und der Über­gang vom Feu­dal­recht zum bür­ger­li­chen Recht sind bei­de dadurch gekenn­zeich­net, dass sich die Rechts­stel­lung des ein­zel­nen nicht län­ger nach sei­nem sozia­len Sta­tus in einer hier­ar­chisch geglie­der­ten Ord­nung bestimmt, son­dern nach sei­nen Leis­tun­gen und Fähig­kei­ten in einer als frei vor­ge­stell­ten Markt­wirt­schaft, die ihm das Instru­ment des Ver­tra­ges zur Gestal­tung sei­ner recht­li­chen Bezie­hun­gen zur Ver­fü­gung stellt.

Das alte Sta­tus­recht knüpft sei­ne Wir­kun­gen an die Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit und dort wie­der an die Stel­lung inner­halb die­ser Grup­pe. Man ist Ade­li­ger, Bau­er oder Leib­ei­ge­ner, Meis­ter, Gesel­le oder Knecht. Dem­entspre­chend hat man Grund­be­sitz und Unter­ta­nen, darf man jagen, ist man frei oder muss umge­kehrt gehor­chen, die­nen usw. In vie­le die­ser Grup­pen wird man hin­ein­ge­bo­ren. In ande­re wird man durch einen beson­de­ren sozia­len Akt auf­ge­nom­men. Die stän­di­sche Ord­nung des Mit­tel­al­ters kann­te in zahl­rei­chen Fäl­len fei­er­li­che For­men der Auf­nah­me des ein­zel­nen in die Grup­pe, die ihm einen neu­en Sta­tus ver­lie­hen. Hier­her gehör­te etwa die Auf­nah­me in die Stadt­ge­mein­de, das Frei­spre­chen der Zünf­te und Gil­den, aber auch das Gelüb­de der Mön­che. Bis heu­te gibt es Res­te sol­cher Auf­nah­me­ze­re­mo­ni­en in der fei­er­li­chen Imma­tri­ku­la­ti­on, in der Ernen­nung zum Beam­ten oder im Fah­nen­eid des Sol­da­ten. Die­se sym­bol­träch­ti­gen For­men der Auf­nah­me in die Grup­pe ent­spre­chen in ihrer Funk­ti­on den Initia­ti­ons­ri­ten, die die Eth­no­lo­gen bei allen archai­schen Kul­tu­ren gefun­den haben. Sie sol­len dem Neu­ling nach­drück­lich bewusst machen, dass er von nun an voll und ganz den Nor­men sei­ner Grup­pe unter­wor­fen ist. Zugleich ver­deut­li­chen sie gegen­über Außen­ste­hen­den den Rang­an­spruch der Grup­pe und fes­ti­gen ihren Zusam­men­halt.

Das Sta­tus­recht begrün­de­te zahl­rei­che Abstu­fun­gen der Rechts­fä­hig­keit, Pri­vi­le­gi­en und Zurück­set­zun­gen, so dass man gera­de­zu von einem Recht per­sön­li­cher Ungleich­hei­ten spre­chen kann. Dem­ge­gen­über setz­te sich in der auf­klä­re­ri­schen Phi­lo­so­phie des 18. Jahr­hun­derts der Gedan­ke der Rechts­gleich­heit aller Staats­bür­ger durch. Er brach­te die stän­disch fest­ge­füg­te Sozi­al­ord­nung in teil­wei­se gera­de­zu revo­lu­tio­nä­re Bewe­gung und führt in der ers­ten Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts, begin­nend mit dem Code Civil von 1803, vom feu­da­len zum bür­ger­li­chen Recht. Er woll­te jedem Men­schen als frei­em Mit­glied einer ein­heit­li­chen Gesell­schaft aller Bür­ger die Mög­lich­kei­ten geben, sei­ne Sozi­al­be­zie­hun­gen selbst­ver­ant­wort­lich zu gestal­ten. Das Mit­tel dazu bot der Ver­trag. Dem Staat soll­te nach die­ser Vor­stel­lung nur noch die Auf­ga­be blei­ben, äußers­te Gren­zen der Ver­trags­frei­heit abzu­ste­cken und eine Art Ver­kehrs­re­ge­lung zu tref­fen. Die­se Ent­wick­lung zum Ver­trag hat­te natür­lich nicht nur ide­el­le Grün­de, beruh­te also nicht nur auf dem sich immer stär­ker durch­set­zen­den Kon­zept des indi­vi­du­el­len Libe­ra­lis­mus. Eben­so waren auch wirt­schaft­li­che und poli­ti­sche Grün­de maß­ge­bend. Wirt­schaft­lich war es in ers­ter Linie die von Max Weber sog. Markt­ver­brei­te­rung, die zum Ver­lust der öko­no­mi­schen Selb­stän­dig­keit der Fami­lie und zu ihrer Her­ab­min­de­rung zu einer blo­ßen Kon­sum­ti­ons­ein­heit führ­te. Hand in Hand mit der zuneh­men­den Arbeits­tei­lung ging die Zer­set­zung der Zünf­te und Innun­gen durch den han­del- und gewer­be­trei­ben­den Bür­ger sowie die Ent­wick­lung von der Manu­fak­tur zur indus­tri­el­len Fer­ti­gung mit den dadurch beding­ten neu­en Absatz­for­men. Poli­tisch war wäh­rend der Zeit des Abso­lu­tis­mus das all­mäh­li­che Erstar­ken der Staats­ge­walt vor­aus­ge­gan­gen, die nun das Mono­pol der Recht­set­zung an sich zie­hen und mit Hil­fe ihrer Büro­kra­tie die Auto­no­mie der Stän­de immer mehr zuguns­ten einer for­ma­len Rechts­gleich­heit aller Bür­ger zurück­drän­gen konn­te.

Gegen die Benen­nung des neu­en Rechts­typs als Kon­trakt­recht ist ein­ge­wandt wor­den, auch der alte Sta­tus sei nicht immer ererbt gewe­sen, son­dern habe oft, wenn nicht gar über­wie­gend, auf einem Ver­trag beruht. Gera­de die alte Feu­dal­ord­nung sei ohne den Lehns­ver­trag nicht denk­bar. Vie­le Gebie­te, in denen heu­te die Bedeu­tung des Ver­trags geschwun­den ist, wie das öffent­li­che Recht, das Pro­zess­recht, das Fami­li­en- und Erbrecht, sei­en ursprüng­lich vom Ver­trag beherrscht wor­den. In Wahr­heit sei daher kei­ne Bewe­gung vom Sta­tus zum Kon­trakt, son­dern umge­kehrt eine Bewe­gung vom Kon­trakt zum Sta­tus fest­zu­stel­len. Dem ist ent­ge­gen­zu­hal­ten, dass Sta­tus und Con­tract in Mai­nes Fort­schritts­the­se eine spe­zi­fi­sche Bedeu­tung haben. Wir müs­sen näm­lich mit Max Weber zwi­schen Sta­tus-Kon­trak­ten und Zweck-Kon­trak­ten unter­schei­den. Der Ver­trag, der den Sta­tus begrün­det, sei es als Kind, Frau oder Skla­ve, Sip­pen­ge­nos­se, Kli­ent, Lehns­mann oder Freund, war ein Unter­wer­fungs-, Herr­schafts- oder ein Ver­brü­de­rungs­ver­trag, durch den man qua­li­ta­tiv etwas ande­res wird als bis­her. Die Aus­tausch­ver­trä­ge dage­gen, die nur die Her­bei­füh­rung kon­kre­ter, meist öko­no­mi­scher Leis­tun­gen oder Erfol­ge zum Zweck haben, las­sen den »Sta­tus« der betei­lig­ten Per­sön­lich­kei­ten völ­lig unbe­rührt. Wenn also der neue Rechts­typ als Kon­trakt­recht bezeich­net wird, so ist damit die Ver­drän­gung der Sta­tus­be­zie­hun­gen durch die Zweck­ver­ein­ba­rung gemeint.

Mai­nes Fort­schritts­the­se wird auch heu­te immer noch zitiert. Sie bie­tet ein Inter­pre­ta­ti­ons­sche­ma auch noch für zeit­ge­nös­si­sche Ver­öf­fent­li­chun­gen, vor allem zum Fami­li­en­recht.[3] Reh­bin­der hat es unter­nom­men hat, sie in die Gegen­wart fort­zu­schrei­ben, indem er die jün­ge­re Ent­wick­lung als eine sol­che vom Ver­trag zur Rol­le inter­pre­tiert. All­ge­mein kann man sagen, dass in der moder­nen Gesell­schaft nicht mehr ein Schlüs­sel­sta­tus die Rechts­be­zie­hun­gen der Men­schen bestimmt. Es sind auch nicht immer aus­ge­präg­te Rol­len, son­dern sozia­le Grenz­zie­hun­gen, die gesamt­ge­sell­schaft­lich bestim­men, bei­spiels­wei­se wer zur Nati­on und wer zur eth­ni­schen Min­der­heit gehört und wer dadurch Zugang zu bestimm­ten poli­ti­schen und recht­li­chen Res­sour­cen hat. Daher ver­zich­ten vie­le Sozio­lo­gen auf den Sta­tus­be­griff und reden statt­des­sen von Inklu­si­on und Exklu­si­on.

VI.              Lorenz von Stein

Schrif­ten: Die indus­tri­el­le Gesell­schaft. Der Sozia­lis­mus und Kom­mu­nis­mus Frank­reichs von 1830–1848, 1842 [die 2. Aus­ga­be von 1855 steht bei http://​books​.goog​le​.de zum Down­load zur Ver­fü­gung]; Die Geschich­te der sozia­len Bewe­gung Frank­reichs von 1789 bis auf unse­re Tage(3 Bde), 1850; Lehr­buch der Volks­wirt­schaft, 1858; Lehr­buch der Finanz­wis­sen­schaft, 1860, 3. Aufl. 1875; Die Ver­wal­tungs­leh­re, 7 Bde, 1865 ff.; Die Frau auf dem Gebie­te der Natio­nal­öko­no­mie, 1874; Gegen­wart und Zukunft der Rechts- und Staats­wis­sen­schaft Deutsch­lands, 1876; Die Frau auf dem socia­len Gebiet, 1880

Lite­ra­tur: Heinz Gros­se­kett­ler, Lorenz von Stein (1815−1890). Über­blick über Leben und Werk, 1998, http://​mia​mi​.uni​-muens​ter​.de/​s​e​r​v​l​e​t​s​/​D​e​r​i​v​a​t​e​S​e​r​v​l​e​t​/​D​e​r​i​v​a​t​e​-​1​4​2​0​/​2​5​8​.​pdf
Micha­el Stolleis, Geschich­te des öffent­li­chen Rechts in Deutsch­land, Bd. 2: 1800–1914, 1992

Als Vor­läu­fer der Rechts­so­zio­lo­gie kaum gewür­digt wird bis heu­te Lorenz von Stein (1815−1890), obwohl er ein gro­ßes Werk zu Gesell­schafts­wis­sen­schaft hin­ter­las­sen hat, das nicht nur außer­or­dent­lich dif­fe­ren­ziert, son­dern auch sehr inno­va­tiv war. Eigent­lich Jurist, ver­öf­fent­lich­te er im Anschluss an einen Auf­ent­halt in Paris empi­risch ver­glei­chen­de Ana­ly­sen, in denen er die gro­ße Bedeu­tung gesell­schaft­li­cher Kräf­te und Bewe­gun­gen her­aus­stell­te. 1842, schon vor Karl Marx, sah er das Pro­le­ta­ri­at im libe­ra­len Kapi­ta­lis­mus sich zu einer eige­nen Klas­se mit eige­nem Bewusst­sein ent­wi­ckeln. Eine Revo­lu­ti­on sei nur ver­meid­bar, wenn der Staat neu­tral über alle Klas­sen­ge­gen­sät­ze erha­ben sei und zu einer sozia­len Demo­kra­tie wer­de. Damit gilt von Stein als Ahn­herr der Sozi­al­staats­idee. Nach sei­ner Rück­kehr nach Kiel wur­de er dort zunächst Rechts­pro­fes­sor, ver­lor sei­ne Stel­le aber, weil er sich in einem Gut­ach­ten, zusam­men mit ande­ren Kie­ler Rechts­ge­lehr­ten, auf Grund der his­to­ri­schen Doku­men­te dafür aus­ge­spro­chen hat­te, ganz Schles­wig-Hol­stein als Teil Deutsch­lands zu betrach­ten. 1855 erhielt er einen Ruf auf eine Pro­fes­sur für poli­ti­sche Öko­no­mie an der Uni­ver­si­tät Wien. Dort ver­öf­fent­lich­te er Lehr­bü­cher über Sta­tis­tik, Natio­nal­öko­no­mie, Ver­wal­tungs­leh­re und Finanz­wis­sen­schaft, die damals sehr ange­se­hen waren und ihn heu­te als Vor­läu­fer der Law-and-Eco­no­my-For­schung erschei­nen las­sen. Zu sei­ner Bedeu­tung für das öffent­li­che Recht eher kri­tisch Stolleis (S. 388 ff.).

VII.           Der Beginn der Rechtssoziologie

Man kann den Beginn der Rechts­so­zio­lo­gie als Wis­sen­schaft nicht auf ein bestimm­tes Datum fest­le­gen oder ihn mit bestimm­ten Auto­ren ver­bin­den, mögen auch ein­zel­ne Wis­sen­schaft­ler und Wer­ke her­aus­ra­gen­de Bedeu­tung für die Ent­ste­hung der neu­en Dis­zi­plin gehabt haben, allen vor­an Eugen Ehr­lich mit sei­ner 1913 erschie­ne­nen »Rechts­so­zio­lo­gie« und Max Weber mit dem heu­te als »Rechts­so­zio­lo­gie« bekann­ten Kapi­tel aus »Wirt­schaft und Gesell­schaft,« das erst­mals 1920 post­hum gedruckt wur­de. Ande­re Namen, die in die­sem Zusam­men­hang genannt wer­den, sind Lud­wig Gum­plo­wicz[4] (1838−1902), der in sei­nem »Grund­riß der Sozio­lo­gie« (1885) den sozia­len Grup­pen­kampf und, unter der Bedin­gung des moder­nen Staa­tes, die Inter­es­sen­grup­pen als Trä­ger des sozia­len Kamp­fes her­aus­stell­te, für Rudolf von Ihe­ring (1818−1892), der unter Über­schrif­ten wie »Der Kampf ums Recht« (1872) und »Der Zweck im Recht« (2 Bän­de, 1877–1884) die Rechts­dog­ma­tik auf die sozia­le Wirk­lich­keit ver­wie­sen hat[5], Anton Men­ger (1841−1906)[6], der in sei­nem Buch über »Das Bür­ger­li­che Recht und die besitz­lo­sen Volks­klas­sen« (1890, 3. Aufl. 1904) den Ent­wurf des BGB einer schar­fen, sozia­lis­tisch gefärb­ten Kri­tik unter­zog, oder Hugo Sinz­hei­mer, der aus der Sicht der damals neu­en Dis­zi­plin des Arbeits­rechts nach Rechts­so­zio­lo­gie als Ergän­zung der dog­ma­ti­schen Rechts­wis­sen­schaft ver­lang­te[7]. Es wird jedoch dem lang­wie­ri­gen Ent­ste­hungs­pro­zess der Rechts­so­zio­lo­gie als einer Wis­sen­schaft mit eige­ner Fra­ge­stel­lung, spe­zi­fi­schen Metho­den und einer beson­de­ren Wis­sen­schafts­or­ga­ni­sa­ti­on bes­ser gerecht, wenn man fünf ver­schie­de­ne Ent­wick­lungs­strän­ge ver­folgt, die am Aus­gang des 19. Jahr­hun­derts ihren Anfang neh­men und sich erst in der Zeit nach dem 2. Welt­krieg zur moder­nen Rechts­so­zio­lo­gie durch­drin­gen und ver­mi­schen. Als sol­che zunächst rela­tiv selb­stän­di­gen Ent­wick­lun­gen wer­den hier unter­schie­den:

  • die ita­lie­ni­sche und fran­zö­si­sche Kri­mi­nal­so­zio­lo­gie (§ 4),
  • die Ent­wick­lung in Frank­reich, die durch die Durk­heim-Schu­le gekenn­zeich­net wird (§ 5),
  • die Ent­wick­lung im deut­schen Sprach­raum, die nicht nur von Eugen Ehr­lich (§ 6) und Max Weber (0) bestimmt wur­de, son­dern auch ver­schie­de­ne Schu­len sozio­lo­gi­scher Juris­pru­denz her­vor­ge­bracht hat (§ 10),
  • die skan­di­na­vi­sche Rechts­so­zio­lo­gie, deren Ertrag in den Vor­stu­di­en Theo­dor Gei­gers fort­wirkt (§ 8),
  • Legal Rea­lism und Socio­lo­gi­cal Juris­pru­dence in den USA (§ 11), die in der Nach­kriegs­zeit ihre Fort­set­zung in der Law-and-Socie­ty-Bewe­gung und in den Cri­ti­cal Legal Stu­dies fan­den.
  • Zur Iden­ti­fi­ka­ti­ons­fi­gur für die deut­sche Rechts­so­zio­lo­gie wur­de nach 1970 Niklas Luh­mann (§ 9).

 

 


[1] Als moder­nen Ver­such einer Rechts­geo­gra­phie vgl. Kim Economides/Mark Blacksell/Charles Wat­kins, The Spa­ti­al Ana­ly­sis of Legal Sys­tems: Towards a Geo­gra­phy of Law? , Jour­nal of Law and Socie­ty 13, 1986, 161–181. In der moder­nen Sozio­lo­gie ist zwar viel von Räu­men (space) die Rede. Meis­tens wird der Begriff aber nicht geo­gra­phisch, son­dern im über­tra­ge­nen Sin­ne ver­wen­det. Als Meta­pher trägt er wenig zur Sache, aber viel zur Kom­pli­ka­ti­on der Dar­stel­lung bei. Anders liegt es mit der Wirt­schafts­geo­gra­phie, die der Nobel­preis­trä­ger Paul Krug­man, ange­regt von Ansät­zen deut­scher Raum­wirt­schafts­theo­re­ti­ker des 19. und frü­hen 20. Jahr­hun­derts wie­der­ent­deckt und fort­ent­wi­ckelt hat.

David Gre­go­ry and John Urry edi­ted the book Soci­al Rela­ti­ons and Spa­ti­al Struc­tures in 1985. The edi­tors wro­te in their intro­duc­tion that “spa­ti­al struc­tu­re is now seen not merely as an are­na in which soci­al life unfolds, but rather as a medi­um through which soci­al rela­ti­ons are pro­du­ced and repro­du­ced” (Gregory/Urry 1985, p. 3).Prüfen: Blom­ley, Nicho­las K./Delaney, David/Ford, Richard T. (Hrsg.), The Legal Geo­gra­phies Reader, Law, Power, and Space, Oxford 2001. Dazu Dari­an Smith in Black­well com­pa­n­ion S. 559. Oder ganz bei § 15 III Kul­tur­wis­sen­schaft?

[2] Brief vom 21.9.1890 aus Lon­don an Bloch, Aus­ge­wähl­te Schrif­ten S. 456 f.; ähn­lich mit beson­de­rem Bezug auf das Recht im Brief an Con­rad Schmidt, ebd. S. 459 ff., 462.

[3] Z. B. Catha­ri­na Cal­le­man, From Sta­tus via Con­tract and Soci­al Pri­va­te Law to the Free Move­ment – Regu­la­ti­on of Domestic Work in Swe­den, Scan­di­na­vi­an Stu­dies in Law, 50, 2007, 347–366; 2007; Joel Hand­ler, Soci­al Citi­zenship and Work­fa­re in the United Sta­tes and Wes­tern Euro­pe: From Sta­tus to Con­tract, in: Guy Stan­ding (ed.), Pro­mo­ting Inco­me Secu­ri­ty as a Right: Euro­pe and North Ame­ri­ca, 2005; Sibyl­le Hofer (Hg.), From Sta­tus to Con­tract?, Die Bedeu­tung des Ver­tra­ges im euro­päi­schen Fami­li­en­recht, 2005

[4] Vgl. Hoh­mei­er, Zur Sozio­lo­gie Lud­wig Gum­plo­wicsz‘, KZfSS 22, 1970, S. 24; mit Ergän­zun­gen von Goe­t­ze, ebd. S. 784; Kiss, Ein­füh­rung in die sozio­lo­gi­sche Theo­rie I, 3. Aufl. 1977, 9 ff.

[5] Zu Ihe­ring, vgl. Chris­ti­an Hel­fer, Rudolf von Ihe­ring als Rechts­so­zio­lo­ge, KZfSS 20, 1968, 554–571; Hel­mut Schelsky, Das Ihe­ring-Modell sozia­len Wan­dels durch Recht — Ein wis­sen­schafts­ge­schicht­li­cher Bei­trag, JbRSoz 3, 1972, 47–86; fer­ner den Sam­mel­band Ihe­rings Erbe, hrsg. von Franz Wieacker/Christian Woll­schlä­ger, Göt­tin­gen, 1970. Vgl. auch §§ 7 und 51, 1.

[6] Karl Her­mann Käst­ner, Anton Men­ger (1841−1906). Leben und Werk, 1974.

[7] Sinz­hei­mer, Arbeits­recht und Rechts­so­zio­lo­gie. Gesam­mel­te Reden und Auf­sät­ze Bd. 2, 1976. Über die­se geläu­fi­gen Namen soll­te man eini­ge Pio­nie­re nicht ver­ges­sen, die anschei­nend zu früh kamen: F.(elix) Sto­erk, Stu­di­en zur socio­lo­gi­schen Rechts­leh­re, AöR I, 1885, 541 ff; L.(othar) Dar­gun, Zur Metho­dik der socio­lo­gi­schen Rechts­leh­re, AöR II, 1987, 542 ff.

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